01 Aug 2017

42. BImSchV veröffentlicht

Die 42. BImSchV regelt den hygienischen Betrieb von Verdunstungskühlanlagen, Kühltürmen und Nassabscheidern

01 Aug 2017

Die 42. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes („42. BImSchV“) regelt den hygienischen Betrieb von Verdunstungskühlanlagen, Kühltürmen und Nassabscheidern.  Solche Verdunstungskühlanlagen verdampfen Wasser zu Kühlungszwecken, und in diesem Wasser können sich gesundheitsschädliche Bakterien stark vermehren. Die Verordnung grenzt den Betrieb von Kühltürmen (mit einer Kühlleistung von mehr als 200 MW, sog. Naturzug-Kühltürme, z.B. in Kraftwerken) ab vom Betrieb anderer Verdunstungskühlanlagen (Rückkühlwerke, Nassabscheider). Im folgenden Beitrag liegt der Fokus auf den „sonstigen Verdunstungskühlanlagen“, auf die Betrachtung von Kühltürmen gem. 42. BImSchV wird hier nicht näher eingegangen.

42. BImSchV am 19.07.2017 im BGBl. veröffentlicht

Nach umfangreichen und längeren Beratungen und Verhandlungen ist am 19.07.2017 die 42. BImSchV in Kraft getreten (Download des Volltextes hier ). Hintergrund für die Neuregelung des hygienischen Betriebs von Verdunstungskühlanlagen sind die in den letzen Jahren immer wieder aufgetretenen Fälle von Legionelleninfektionen im Umfeld entsprechender Kühltürme bzw. Kühlanlagen.

42. BImSchV, 19.07.2017

Dabei traten teilweise erhebliche Gesundheitsgefährdungen für die betroffenen Personen auf, bis hin zum Tod durch eine schwerwiegende, durch Legionellen hervorgerufene Lungeninfektion (Legionellose). Zuletzt geschehen beispielsweise im Februar / März 2016 in Bremen.

Kühlwasser von Verdunstungskühlanlagen kann verkeimen

Das Auftreten einer solchen bakteriellen Infektion kann man nachvollziehen, wenn man bedenkt, dass bei solchen Verdunstungskühlanlagen im Betrieb große Mengen Luft angesaugt werden, die dann durch einen diesem Luftstrom entgegenrieselnden Wasserfilm geblasen oder gesaugt wird. Durch die Verdampfung des Wassers kommt es zu einer Abkühlung, und diesen Kühleffekt nutzt man Industrie und Technik wie auch in der Gebäudetechnik, um die Temperatur des in einem entsprechend offenen Kühlkreislauf zirkulierenden Kühlwassers zu senken und damit Anlagen, Anlagenteile oder auch Gebäude zu kühlen.

Zentrale Gebäude-Klimaanlage

Foto: Wikipedia / CC 3.0

Eine mikrobielle Belastung kann dabei auftreten, weil in der enthaltenen, angesaugten Umgebungsluft entsprechende Keime enthalten sind, und diese werden durch das Kühlwasser sozusagen aus der Luft gewaschen und reichern sich dann im Kühlwasser an. Trifft der Betreiber einer solchen Verdunstungskühlanlage nicht geeignete technische Vorkehrungen (wie z.B. den regelmäßigen Zusatz geeigneter Biozide), können sich solche Mikroorganismen bei den für sie günstigen Umgebungsbedingungen rasend schnell vermehren (ein Rechenbeispiel hier ).

Mit Legionellen belastete Aerosole sind eine Gesundheitsgefahr

Aufgrund der immer wieder auftretenden Fälle von durch mikrobiell belasteten Aerosoldämpfen hervorgerufenen Legionellose-Infektionen sah der Gesetzgeber sich gezwungen, hier eine geeignete gesetzliche Grundlage für den hygienischen Betrieb solcher Anlagen zu schaffen. Zwar definierte bereits zu Beginn des Jahres veröffentlichte VDI-Richtlinie 2047-2 den aktuellen technischen Stand und geeignete Betriebsbedingungen und Maßnahmen zur Vermeidung des mikrobiellen Befalls, doch offenbar wurde diese Erweiterung der allgemein anerkannten Regeln der Technik (a.a.R.d.T.) mit „empfehlendem Charakter“ nicht bei allen Betreibern als technisch bindenden Grundlage anerkannt.

Neue BImSchV enthält zahlreiche Vorgaben zum hygienischen Anlagenbetrieb

Die nun 4 Wochen nach ihrer Veröffentlichung zum 20.08.2017 in Kraft tretende 42. BImSchV schafft daher für alle Betreiber solcher Anlagen eine bindende gesetzliche Grundlage für den Betrieb und die regelmäßige Überwachung von Verdunstungskühlanlagen; Ziel der VO ist die Sicherstellung der Vermeidung von Verunreinigungen des Nutzwassers durch Mikroorganismen, insbesondere Legionellen, durch Beachtung der a.a.R.d.T.

Im Wesentlichen sollten sich die Betreiber solcher Anlagen mit folgenden Vorgaben der 42. BImSchV auseinandersetzen (weitere Hinweise dazu auch hier):

  • es sind Vorkehrungen für die regelmäßige Überprüfung relevanter chemischer, physikalischer oder mikrobiologischer Parameter durch geeignete Probenahme zu treffen
  • nach Inbetriebnahme bzw. Wiederinbetriebnahme einer Anlage ist durch mind. 6 aufeinanderfolgende Laboruntersuchungen auf den Parameter „allgemeine Koloniezahl“ ein sog. Referenzwert für die bestehende Verkeimung des Nutzwassers zu bestimmen; dieser gilt als Vergleichswert für künftige Messungen: zeigt eine spätere Messung eine Erhöhung der Verkeimung um einen Faktor von mind. 100, sind zusätzliche Maßnahmen zur Begrenzung der Verkeimung erforderlich
  • Betriebsinterne Überprüfung des Nutzwassers„: der Betreiber hat durch regelmäßige mindestens zweiwöchentliche betriebsinterne Überprüfungen chemischer, physikalischer oder mikrobiologischer Kenngrößen die hygienische Beschaffenheit des Nutzwassers sicherzustellen (z.B. durch Dip-Slide-Tests)
  • der Betreiber hat mind. alle 3 Monate Laboruntersuchungen des Nutzwassers auf den Parameter Legionellen durchführen zu lassen; bei den Probenahmen ist das durchführende, nach EG 765/2008 akkreditierte Labor über einen erfolgten Biozid-Zusatz (Zeitpunkt, Menge, Art des Biozids) zu informieren (erfolgt die Probenahme kurz nach einem Biozidzusatz, ist kein Auffinden von Verkeimungen zu erwarten!); die Untersuchung auf Legionellen kann auch nur alle sechs Monate erfolgen, wenn in zwei aufeinanderfolgenden Jahren die Prüfwerte der Verordnung (100 KBE Legionella spp. je 100 ml) nicht überschritten wurden. Die erste regelmäßige Laboruntersuchung ist bis zum 16.09.2017 durchzuführen

    Legionellen am Beispiel Legionella pneumophila

    Legionella pneumophila, Foto: Wikipedia / publ. domain

  • die jeweiligen Ergebnisse sind nach Vorliegen unverzüglich in einem zu führenden Betriebstagebuch zu dokumentieren (dieses darf durchaus „elektronisch“, also per Software, geführt werden, muss aber jederzeit einsehbar und in Klarschrift vorgelegt werden können); zusätzlich ist der mikrobiologische Untersuchungsbefund als Anlage zu dem Betriebstagebuch zu übernehmen
  • in dem Betriebstagebuch sind auch Zeitpunkt, Menge und Art eines zugesetzten Biozids aufzuführenBetriebstagebuch, schemat.
  • im Fall der Überschreitung eines Prüfwertes hat der Betreiber einer Anlage unverzüglich (!) Untersuchungen zur Aufklärung der Ursachen durchzuführen, Sofortmaßnahmen zur Verminderung der mikrobiellen Belastung, zu ergreifen sowie technische Maßnahmen nach dem Stand der Technik zu ergreifen, um die Legionellenkonzentration im Nutzwasser zu reduzieren
  • Neuanlagen sind spätestens einen Monat nach der Befüllung mit Nutzwasser der zuständigen Behörde zu melden
  • Bestandsanlagen sind spätestens einen Monat nach dem 19. Juli 2018 der zuständigen Behörde anzuzeigen
  • außerdem hat der Betreiber eine Neuanlage (oder wieder in Betrieb genommen Bestandsanlage) VOR der Inbetriebnahme bzw. Wiederinbetriebnahme eine Gefährdungsbeurteilung der Anlage unter Beteiligung einer hygienisch fachkundigen Person zu veranlassen; damit soll sichergestellt werden, dass keine Gefährdung durch mikrobielle Verkeimung des in der stillstehenden Anlage vorhandenen Kühlwassers auftritt (eine wesentliche Ursache für die Vermehrung von Keimen im Wasser und der Ausbildung eines hartnäckig festhaftenden Biofilms ist die fehlende Bewegung des Wassers: „Stagnation begünstigt die Keimvermehrung“)
  • ebenfalls innerhalb eines Monats sind Änderungen an der Anlage und / oder Stilllegungen bzw. Außerbetriebnahmen und / oder Betreiberwechsel zu melden
  • der Betreiber muss nach der Inbetriebnahme entsprechender Anlagen den ordnungsgemäßen Betrieb der Anlage alle 5 Jahre durch einen öffentlich bestellten und vereidigten oder entsprechend akkreditierten Sachverständigen bestätigen lassen

Diese Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einen Einblick in den Umfang der neu geregelten Umgangsweise beim Betrieb von Verdunstungskühlanlagen geben.

Technische Details sind auch in VDI-Richtlinie 2047-2 nachzulesen

Für weitere technische Details, beispielsweise zur Durchführung der Keimtests bzw. Legionellenuntersuchungen, geeigneten Probenahmestellen und -einrichtungen, …, sei an dieser Stelle auf die VDI-Richtlinie 2047-2 verwiesen.

Im Zweifelsfall sollte sich der Betreiber einer solchen Anlage mit einem Spezialisten für die Kühlwasserbehandlung in Verbindung setzen, denn in vielen Fällen ist der Anlagenbetreiber als mehr oder weniger „fachkundiger Laie“ im Hinblick auf die geeignete Behandlung keimbelasteter Kühlwässer mit der ordnungsgemäßen Umsetzung der a.a.R.d.T. in solchen Anlagen (wie z.B. bereits in der VDI-Richtlinie 2047-2 beschrieben) überfordert. Auch die Durchführung der geforderten Gefährdungsbeurteilung erfordert umfangreiche Sach- und Fachkenntnisse, sowohl im Anlagenbetrieb wie auch in der Bekämpfung mikrobieller Verkeimungen in Kühl-, Wasch- und Prozesswässern.

Gerne steht der Verfasser dieses Blogbeitrages für Rücksprachen, Fragen und Erläuterungen zur Verfügung. Nutzen Sie für Ihre Fragen und Kommentare das Kontaktformular auf dieser Web-Site. Natürlich können Sie auch gerne weitere Fragen zum nachhaltigen Umgang mit Wasser, gleich ob als Trinkwasser, Kühl- oder Prozesswasser oder auch spezielle Industrieabwässer, über das Kontaktformular an mich senden.

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Blog-Beiträge Dr. Matthias Brück

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