28 Jun 2016

Bakterien in der Trinkwasserinstallation – Ursachen und Problemlösung

Bakterien im Trinkwasser stellen eine Gesundheitsgefahr dar. Geeignete Wassertemperaturen und die Vermeidung von Stagnation sind die einfachsten Lösungsmöglichkeiten.

28 Jun 2016

Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel; schließlich besteht der erwachsene Mensch zu ca. 70 % aus Wasser. Daher ist der Gesetzgeber auch so aufmerksam bei einem möglichen Befall mit Bakterien (wie z.B. Legionellen) in einer Trinkwasserinstallation – was sich in den Vorgaben der aktuellen Trinkwasserverordnung (TrinkwV) niederschlägt.

Da unser Trinkwasser heute aus vielen unterschiedlichen Quellen „verschnitten“ und den Verbrauchern zugeleitet wird, hat jede Verkeimung oder sonstige Verunreinigung des Trinkwassers schnell Folgen für eine große Anzahl von Verbrauchern. Aus diesem Grunde verfolgen die Behörden jede Verunreinigung des Trinkwassers sehr aufmerksam. Aktuell ist beispielsweise die Region Mittelhessen von einer Verkeimung mit Coli-Bakterien betroffen. In mehreren Wasserversorgungsgebieten wurden die Verbraucher aufgefordert, Trinkwasser nur abgekocht zu verwenden.

Trinkwasserinstallation im Gebäude ist Hauptursache für Bakterien

Doch was passiert mit unserem Trinkwasser, nachdem der Versorger sein Wasser, mehr oder weniger sauber, an der Hausgrenze abgeliefert hat? Auch hier sollte man als  Verbraucher die erforderliche Aufmerksamkeit walten lassen, denn auch hygienisch einwandfreies Trinkwasser des Versorgers kann beim Transport in einer Trinkwasserinstallation mit Bakterien und Mikroorganismen belastet werden; hier geht es um die eigene Gesundheit!

Wasserfilter, Hauseingang Trinkwasserinstallation

Foto: C. Scheele GmbH / TEGEBA

Bei der Überprüfung der Trinkwasserhygiene, z.B. wenn bei einer Trinkwasserprüfung eine Überschreitung des technischen Maßnahmenwertes von 100 KBE / 100 ml festgestellt und durch das Gesundheitsamt die Erstellung einer Gefährdungsanalyse angeordnet wurde, zeigt sich für den Gutachter häufig das gleiche erschreckende Bild:

schon am Trinkwassereingang des Gebäudes fangen die Hygieneprobleme an – hier ein Beispielfoto, in welcher technischen „Verfassung“ sich der als Sicherheitsmaßnahme zur Beseitigung möglicher Trinkwasserverunreinigungen (Schwebstoffe, Sand- und Schmutzpartikel) eingebaute Eingangsfilter häufig zeigt.

Falsche Wassertemperaturen und Stagnation sind Auslöser für Vermehrung von Bakterien im Trinkwasser

Man kann sich ohne viel Fantasie vorstellen, dass in derart „instandgehaltenen“ Trinkwasserinstallationen auch durchaus weitere Probleme mit der Trinkwasserhygiene auftreten. Was sind nun die Hauptursachen für eine mögliche Verkeimung des Trinkwassers innerhalb eines Gebäudes? Man kann die Antwort auf 2 wesentliche Punkte zusammenfassen:

  1. falsche Temperaturen in Kalt- und / oder Warmwasser („KW zu warm, WW zu kalt“)
  2. Stagnation (Totleitungen, „nicht-bestimmungsgemäßer Gebrauch“, zu geringe bzw. unregelmäßige Wasserabnahme)

Was ist mit „falschen Temperaturen“ gemeint? Nun, in einer typischen Trinkwasserinstallation in einem Gebäude sind Kaltwasser(KW)- und Warmwasser(WW)-Installation in einem gemeinsamen Installationsschacht untergebracht. Der Platz in diesem Installationsschacht ist rel. begrenzt. Zu Zeiten, als die Kosten für fossile Energieträger im Verhältnis zu den Lebenshaltungskosten noch rel. niedrig waren (in den Jahren zwischen 1950 und 1970 wurde ein Barrel Rohöl zum Preis von ca. 20 USD gehandelt, Ende der 50er Jahre kostete ein Liter Heizöl in Deutschland ca. 0,25 DM!), wurde aus Kostengründen auf eine umfassende Dämmung der WW-Leitungen verzichtet. Die Folge davon ist, dass in vielen Bestandsimmobilien aus den 50er bis 70er Jahren eine wirkungsvolle Dämmung bzw. Isolation der WW-Leitungen fehlt. Da wir alle im Laufe der Jahre gelernt haben, den Wasserverbrauch aus Umwelt- und Kostengründen möglichst zu reduzieren, führt diese fehlende Dämmung häufig zu einer Übertragung der Wärme zwischen WW- und KW-Strang: das Warmwasser kühlt sich unter den vom DVGW empfohlenen Richtwert von mind. 55 °C ab, das Kaltwasser erwärmt sich über den nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik geforderten Richtwert von 25 °C.

„Kaltwasser zu warm, Warmwasser zu kalt“ – Dämmung und falsches Sparverhalten

Bakterien: pseudomonas aeruginosa Vermehrung

Foto: Studie DVGW

Schaut man sich nun die Vermehrungsgeschwindigkeit unterschiedlicher, wasserliebender Bakterien an, so wird man feststellen, dass typische „Kaltwasserbakterien“ wie z.B. Pseudomonas aeruginosa, sich bereits bei Temperaturen von ca. 20 °C geradezu explosionsartig vermehren, während typische „Warmwasserbakterien“ wie z.B. Legionellen bei Temperaturen deutlich unter 55 °C den Bereich des Absterbens verlassen und bei den niedrigeren Temperaturen ideale Vermehrungsbedingungen finden.

Warmwasser-Bakterien: Legionellen - Vermehrung

Foto: Wikipedia

So führt also die Bedingung „Kaltwasser zu warm und Warmwasser zu kalt“ in der Regel zu einem starken, unerwünschten Bakterienwachstum – mit den möglichen gesundheitlichen Konsequenzen bei Genuss von entsprechend belastetem Trinkwasser.

Bei Neubauten, Umbauten oder umfangreicheren Sanierungen von Bestandsimmobilien können moderne Isolationsmaterialien wirkungsvoll Abhilfe im Hinblick auf eine verbesserte Dämmung schaffen. Allerdings darf man hier keine Wunder erwarten, denn verschiedene Untersuchungen in den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass auch eine „Super-Isolation“ den Wärmeaustausch nur zeitlich verzögern, aber nicht gänzlich verhindern kann. Und damit kommen wir zum zweiten wichtigen Aspekt des Themas „Trinkwasserhygiene in Rohrleitungsnetzen“.

Wasser muss fließen, dann stimmt die Hygiene

Das zweite genannte Problem, die Stagnation (also das Stehen von bakteriell belastetem Trinkwasser in Rohrleitungen), trägt ebenso zur unerwünschten Vermehrung von Bakterien und anderen Mikroorganismen bei: fehlt jegliche Bewegung durch fehlende Wasserabnahme aus dem Rohrleitungsnetz, haben die im Wasser enthaltenen Bakterien Zeit und Gelegenheit, sog. Biofilme, Lebensgemeinschaften von Mikroorganismen, zu bilden und sich abzulagern – und sich in diesen Biofilmen fleißig weiter zu vermehren. Erst bei einer wieder auftretenden Wasserabnahme können dann die oberen Schichten des Biofilms abgelöst werden – und gelangen als „schwimmende Fracht“ an Wasserabnahmestellen wie Armaturen, Duschköpfe o.ä.

(Video: Pall Corporation / YouTube)

Damit liegt der Schlüssel zur Lösung der meisten auftretenden Verkeimungen in Trinkwasserinstallationen in der Beseitigung der beiden genannten Probleme „Wassertemperatur“ und „Stagnation“:

  1. Einstellen einer Warmwasser-Umlauftemperatur gemäß den Empfehlungen der Fachverbände (DVGW), also mind. 60 °C am Boilerausgang bzw. mind. 55 °C am Boilerrücklauf – Vermeidung der ungehemmten Vermehrung von „Warmwasser-Bakterien“ wie Legionellen
  2. wo immer möglich Verbesserung der Dämmung von Warmwasser- und Kaltwasser-Installation – Reduzierung der Vermehrung von „Kaltwasser-Bakterien“ und „Warmwasser-Bakterien“
  3. Sicherstellung einer regelmäßigen Wasserabnahme von Kalt- und Warmwasser – regelmäßiger Wasserfluss verhindert Ablagerung von Biofilmen und damit die Vermehrung von Bakterien

Vielen Mietern ist nicht bewusst, dass sie durch falsch verstandenes Wassersparen häufig die Hygieneprobleme in ihrer Trinkwasserinstallation selbst (mit)verursachen.

Richtige Wassertemperaturen und regelmäßige Wasserabnahme – gut für Umwelt und Portemonnaie

Natürlich soll man bei diesen Regeln die Ökonomie wie auch die Ökologie im Auge behalten. So lässt sich beispielsweise der Energieverbrauch zum Heizen von Räumen auch bei der geforderten, augenscheinlich recht hohen Warmwasser-Umlauftemperatur reduzieren, z.B. indem man auf intelligente Systeme zur Raumtemperaturregelung zurückgreift.

Intelligente Raumtemperaturregelung: en:key-Produkte

Foto: Kieback & Peter, Berlin

Diese Systeme „lernen“ mit einem eingebauten Algorithmus die Belegungshäufigkeit unterschiedlicher Räume und passen die Raumtemperatur immer wieder entsprechend an bzw. reduzieren sie bei nicht genutzten Räumen um ca. 4 °C. Bereits diese geringe Temperaturabsenkung kann zu Einsparungen von 10-25 % führen, je nach Bauart, Nutzung und Isolation des Gebäudes.

en:key-Heizungsregler

Foto: Kieback & Peter, Berlin

Eine regelmäßige Wasserabnahme in allen Bereichen einer Trinkwasserinstallation kann man z.B. über Spülpläne, die regelmäßig abgearbeitet werden, sicherstellen. Eine weitere Möglichkeit ist die Nutzung intelligenter, selbstspülender Armaturen. Diese Armaturen verfügen über eine programmierbare Spülautomatik und können so dafür sorgen, dass die Wasserzuführung vom Steigstrang regelmäßig gespült und stehendes Wasser damit vermieden wird. Werden alle unregelmäßig genutzten Wasserabnahmestellen in das automatische Spülprogramm integriert, werden auch die zugehörigen Steig- und Hauptversorgungsstränge ausreichend gespült und eine Stagnation von Trinkwasser wird verhindert.

Moderne Lösungen: intelligente Raumtemperaturregelung und Armaturen mit Zwangsspülung

Im Vergleich zu den Wassermengen und damit verbundenen Kosten, die anfallen, wenn ein bakteriell belastetes Trinkwassernetz desinfiziert, gespült und umfassend gereinigt werden muss, ist der Mehrverbrauch solcher Systeme nahezu vernachlässigbar gering.

Duscharmatur WimTec

Foto: WimTec GmbH

Zudem verfügen solche Systeme in der Regel über fotoelektrische Komponenten, die dafür sorgen, dass nur dann eine Wasserabnahme erfolgt, wenn sich eine Hand oder ein Körper an der Zapfstelle bzw. unter dem Duschkopf befindet – „Zudrehen vergessen“ gehört damit der Vergangenheit an.

Sorgt also der Verbraucher dafür, dass seine Warmwassertemperaturen richtig eingestellt sind und eine regelmäßige, angemessene Abnahme von Trinkwasser stattfindet, braucht er sich in aller Regel um die Qualität seines Trinkwassers keine Gedanken zu machen und kann das „Leitungswasser“ bedenkenlos trinken – und schont dabei noch Umwelt und Portemonnaie.

WimTec Klinik-Waschbecken-Armatur

Foto: WimTec GmbH

Für weitere Fragen und Informationen zur Trinkwasserhygiene nutzen Sie unsere Kompetenz als Technische Beratung für dieses Arbeitsgebiet. Als Kompetenznetzwerk mit einem breiten Erfahrungsschatz bieten wir Ihnen praktikable, sinnvolle und bezahlbare Lösungen für Ihre Fragen und Unsicherheiten zu  Hygiene und Gesundheit im Trinkwasser, im privaten Umfeld wie auch an Ihrem Arbeitsplatz. Gerne beraten wir Sie in einem ersten Gespräch kostenfrei und unverbindlich; nutzen Sie für Ihre Anfrage das Kontaktformular der Web-Site.

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Blog-Beiträge Dr. Matthias Brück

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