02 Jun 2015

Die Illusion vom reinen Wasser

Abwasserreinigung bei Spuren künstlich hergestellter Chemikalien überfordert; Mineralwässer enthalten immer häufiger unerwünschte Nebenprodukte

02 Jun 2015

Spuren von Chemikalien: darauf stoßen Labore immer öfter – selbst bei Mineralwasser. Zuletzt war es der Süßstoff Acesulfam-K.

Ernährung mit Bio-Lebensmitteln schützt nicht vor Aufnahme künstlicher Zusatzstoffe

künstlicher Süßstoff

Foto: Wikipedia.org / Pascal, Creative Commons Attribution 2.0 Generic

Viele Verbraucher ernähren sich heute bewusst und wählen bevorzugt Lebensmittel mit einem Bio-Siegel. Damit wollen Sie dem „Genuss“ von mehr und mehr Zusatzstoffen (wie z.B. künstlich hergestellten Süßstoffen, beispielsweise Acesulfam-K, auch bekannt unter der Lebensmittel-Etiketten-Bezeichnung E 950) entkommen. So sollten diese Bio-Kunden mit künstlichen Süßstoffen wie Acesulfam K eigentlich gar nicht erst in Berührung kommen. Doch ganz so einfach ist es leider nicht. Wie bereits in einem zurückliegenden Beitrag berichtet, kann es durchaus passieren, dass der Süßstoff Acesulfam aus der Cola light des Nachbarn oder aus dem Diät-Joghurt der Kollegin irgendwann im Mineralwasser landet. Das sollte eigentlich sauber sein, denn „ursprüngliche Reinheit“ schreibt das Gesetz für Mineralwasser vor.

 Künstliche Zusatzstoffe passieren unsere Verdauung ohne Abbau – und landen im Abwasser

Wie bereits berichtet ist das große Problem „künstlich“ hergestellter chemischer Produkte, dass unser Körper solche Substanzen in seinem Stoffwechsel nicht verarbeiten – und damit chemisch nicht abbauen kann. Was auf der einen Seite einen positiven Effekt hat (nämlich dass trotz der gewünschten Geschmacksüße keine negativen „Sammeleffekte“ im Körper entstehen – beim Gang auf die Waage lernen wir schnell, dass unser Körper von der Natur dazu „erzogen“ wurde, Reserven für schlechte Zeiten aufzubauen), hat auf der anderen Seite für die Entfernung solcher Produkte nachteilige Effekte. So wie unser Körper diese Stoffe nicht verarbeiten kann, weil die Evolution hierfür bisher keine Abbauprozesse entwickeln konnte, geht es nämlich auch den Bakterien in den viellen kommunalen und industriellen Kläranlagen, deren abschließende biologische Klärstufe diese Moleküle nicht abtrennen – und so gelangen diese Substanzen nicht nur in das Oberflächenwasser (Flüsse und Seen), sondern sukzessive durch Versickerung auch in das Grundwasser, und so später vielleicht auch in rel. oberflächennahes Mineralwasser für die Getränkeabfüllung und -herstellung.

Großteil des Trinkwassers stammt aus oberflächennahem Grundwasser

Trinkwasserspeicher

Foto: Adrian Michael / CC BY-SA 3.0

Etwa 20 Prozent des Trinkwassers in Deutschland stammt aus oberflächennahem Grundwasser. Mit Ozonierung, Aktivkohlefiltern und anderen Hilfsmitteln entfernen die Wasserwerke diese Spurenstoffe oder senken deren Konzentration soweit wie heute technisch möglich. Wasserversorger, die ihr Trinkwasser aus tieferen Bodenschichten beziehen, können sich diesen hohen technischen Aufwand und die damit verbundenen Kosten sparen – noch.

Auch wenn solche Proukte in den heute vorhandenen Konzentationen nicht unbedingt direkt giftig sind, sind “ … solche Funde ein Warnsignal“, wie Ingrid Chorus, Leiterin der Abteilung Trinkwasserhygiene im Umweltbundesamt, erläutert. Denn Acesulfam im Mineralwasser zeigt, dass die betroffene Mineralwasserquelle nicht mehr komplett vor menschlichen Einflüssen geschützt ist.

Weitere Spurenverunreinigungen im Mineralwasser

Und leider ist es mit künstlichen Süßstoffen bei weitem nicht getan: ebenso problematisch wirken sich Substanzen aus, die sich aus den für Flaschen verwendeten Kunststoffen im Laufe der Nutzungs- und Lagerzeit in die Getränke hinein lösen. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der Weichmacher Bisphenol A,

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(Video: YouTube / Standard-YouTube-Lizenz, © Water4Life Foundation)

aber auch weitere, in entsprechenden Konzentrationen krebserregende oder auch teilweise sogar hormonell wirksame Neben- und Abbauprodukte der verwendeten Kunststoffe (weitere Beispiele: Acetaldehyd als Abbauprodukt aus dem in großem Umfang für Getränkeflaschen verwebndeten Polyethylenterephthalat (PET) oder auch Pestizide aus der konventionellen Landwirtschaft oder Reste von Medikamenten und Arzneimitteln) – hier hat beispielsweise das BMBF die Fördermaßnahme „Risikomanagement von neuen Schadstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf“ (RiSKWa) gestartet).

Für uns Verbraucher beutet dies: wo immer möglich sollten wir versuchen, darauf Einfluss zu nehmen, dass die Zahl und die Menge künstlich erzeugter Aroma- und sonstiger Zusatzstoffe so gering wie möglich gehalten wird, und dass die Industrie verpflichtet wird, Studien zum Abbauverhalten solcher Substanzen durchzuführen. Das kann einerseits auf politischer Ebene geschehen (wie z.B. durch Beteiligung an Interessenverbänden und Gruppierungen, die sich mit solchen Themen intensiv befassen), andererseits aber natürlich sehr effizient auch im Verbraucherverhalten: wenn weniger Produkte mit unerwünschten Zusatzstoffen gekauft werden, regelt der Markt die Herstellung solcher Produkte nach seinen eigenen Gesetzen …

Für weitere Fragen rund um die Themenbereiche der vier Elemente Wasser, Erde, Feuer und Luft wie Trinkwasserqualität und -hygiene, Prozesswasseraufbereitung, Hygiene und Desinfektion sowie passiven Wärmeschutz von Gebäuden schauen Sie sich gerne die Beiträge auf meiner Web-Site an und nutzen Sie das Kontaktformular der Web-Site für Ihre spezielle Anfrage.

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