31 Mai 2016

Düstere Prognose: bald mehr Plastikmüll als Fische im Meer

Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 vier LKW-Ladungen Plastikmüll in den Meeren verteilt werden – pro Sekunde!

31 Mai 2016

Die Prognosen für die weltweite Verschmutzung der Meere und Ozeane mit Plastikmüll sind schlecht …

… so schlecht, dass Fachleute und Experten heute davon ausgehen, dass bis zum Jahr 2050 unter Umständen mehr Plastikmüll im Meer sein wird als Fische!

Prognose für 2050: Mehr Plastik als Fisch im Meer – taz.de Klingt wie ein Witz, stimmt aber: Wenn alles so weiterläuft wie bisher, schwimmt im Jahr 2050 in den Ozeanen der Welt mehr Kunststoff als Fisch.

Menge hergestellter Kunststoffe seit 1960 verzwanzigfacht

Eine entsprechende Kurzstudie dazu hat wurde erst kürzlich auf dem World Economy Forum (WEF) im schweizerischen Davos präsentiert. Grundlage für diese düstere Prognose ist der kontinuierliche Anstieg des Verbrauchs an Kunststoffen aller Art, vor allem im Bereich der Verpackung (Lebensmittel, Getränke, Gegenstände des täglichen Bedarfs). So hat sich beispielsweise die Herstellmenge an Kunststoffen in den letzten 50 Jahren verzwanzigfacht, auf heute ca. 311 Mio Tonnen / Jahr. So gehen die aktuellen Hochrechnungen der Experten davon aus, dass im Jahr 2050 ca. vier volle LKW-Ladungen Plastikmüll – pro Sekunde! – in den Meeren und Ozeanen verteilt werden – eine gewaltige Menge.

Recht eindrucksvoll ist das Thema „Plastikmüll und seine Folgen und Dimensionen in diesem Video zu sehen.

Plastikmüll reichert sich in der Nahrungskette an

Plastikmüll: toter Fisch in Geisternetz

Foto: Wikipedia / publ. dom., CC 4.0 (Orig.: Mstelfox)

Das Problem mit dem Plastikmüll in Ozeanen und anderen Gewässern ist bereits heute gewaltig. Zu Beginn des Jahres 2016 veröffentlichten Biologen vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven eine Studie, nach der sich Plastik längst in den Mägen vieler Speisefische aus der Nordsee befindet. Die Fische nehmen größere oder auch kleinere Plastikteilchen (Mikroplastik) mit der Nahrung auf, und damit reichern sich diese Rückstände in der Nahrungskette immer weiter an – mit noch völlig unbekannten Folgen für die menschliche Ernährung.

Umdenken im Bereich Verpackung dringend geboten

Daher ist es für das zum 01. April 2016 in Deutschland geplante Verbot von kostenlosen Plastiktüten höchste Zeit. Gerade im Bereich der „Zweitverpackung“ gibt es erhebliche Einsparmöglichkeiten; Lebensmittel und andere Waren, die schon einmal in diversen Kunststoffen verpackt sind, müssen nicht mit einer weiteren Plastiktüte nochmals verpackt und transportiert werden. Ein solches Verbot existiert längst in Ländern wie Italien, China, Südafrika, und selbst in einem so wenig entwickelten Land wie Ruanda. Doch in Deutschland scheint es schwierig, für ein solches Verbot eine Lobby zu finden. Nun gibt es einen Vorstoß des Handelsverbands Deutschland (HDE), wonach die meisten Plastiktüten bald nur noch gegen Gebühr zu haben sein sollen – eine unbefriedigende Lösung, wie viele Experten meinen, denn der kleine „Aufpreis“ mag zwar den ein oder anderen Kunden beim Einkauf aufschrecken, den Kauf einer „Tragetasche“ verhindern wird er wohl kaum.

Recycling und Bioabbaubare Kunststoffe noch nicht weit genug

Plastikmüll am Strand

Foto: Wikipedia / public domain

Es gibt zwar inzwischen verschiedene Wege, Kunststoffe und Plastik zu recyceln, die Technologien sind jedoch relativ aufwendig. Ein gangbarer Weg ist der verstärkte Einsatz von bioabbaubaren Kunststoffen, doch diese können bei den tiefen Temperaturen im Meer nur sehr langsam und unvollständig abgebaut werden. Außerdem ist das keine wirkliche Lösung für die bereits vorhandenen, nicht-bioabbaubaren Kunststoffe in der Umwelt. Auch die chemische Spaltung und Wiederverwendung der zurückgewonnenen Rohstoffe ist technisch aufwendig und erfordert teilweise sehr spezielle Verfahren (und führt in der Regel nur zum „Downcycling“, der Herstellung minderwertiger Kunststoffe). Und dass die laut der Umweltorganisation Ocean Conservancy zu mehr als der Hälfte zur Entstehung des Plastikmülls in den Weltmeeren beitragenden fünf asiatischen Länder China, Indonesien, die Philippinen, Vietnam und Thailand kurz- oder mittelfristig auf solche Hightech-Verfahren und die damit verbundene Kreislaufwirtschaft umsteigen, ist momentan nicht zu erwarten.

Was fehlt ist also einerseits ein Umdenken im Verbraucherverhalten, auf Kunststoffe im Verpackungsbereich mehr und mehr zu verzichten, und andererseits neue Verfahren und Technologien, um den bereits bestehenden Berg (bzw. die im Meer treibenden „Inseln“) aus Plastikmüll nachhaltig und umweltschonend abzubauen.

Aktualisierung 10.08.2016:

Leider noch keine Entspannung beim Thema „Verbot von Plastiktüten in Deutschland“. Obwohl die Kostenpflicht für Plastiktüten im Handel bei vielen Handelsketten, Einkaufsmärkten und anderen Verkaufsstellen (mehr oder weniger entschlossen …) umgesetzt wurde (immerhin mit Stand August 2016 eine Mengenreduzierung auf ca. 65 %), nimmt der Verbrauch an Gratistüten aus Sicht der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks noch nicht schnell genug ab. Daher droht sie dem Handel momentan mit ordnungspolitischen Lösungen, damit ihr Ziel „mind. 80 % Reduzierung bis 2018“ erreicht werden kann.

Aktualisierung 29.08.2016:

Mikrobiologen am Alfred-Wegener-Institut und Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) auf Helgoland haben festgestellt, dass im Meer treibende Plastikabfälle („Mikroplastik“) zur Lebensgrundlage für das Wachstum gefährlicher Bakterien, sogenannter Vibrionen, werden können. Diese Bakterien vermehren sich in der sogenannten „Plastisphäre“, einem neuen Lebensraum, der sich in Form von Biofilmen auf der Oberfläche von Plastikpartikeln entwickeln kann. Vibrionen sind in kühlen und gemäßigten Sommern nur vereinzelt im Meerwasser nachweisbar, können sich aber bei Hitzewellen explosionsartig vermehren, wenn die Wassertemperatur 22 Grad Celsius übersteigt. Gerade in küstennahen Gebieten der Ostsee kam es so in der Vergangenheit bei Hitzewellen immer wieder zu Krankheits- und sogar Todesfällen, hervorgerufen durch das Bakterium Vibrio vulnificus. Ein Grund mehr, den zunehmenden Mengen an Plastikmüll im Meer und ihrer Anreicherung in der Nahrungskette mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Aktualisierung 20.09.2016

Auch ein Weg zur Vermeidung von Plastikabfällen und damit ein Schritt hin zur Verkleinerung unserer Müllberge und der Reduzierung von Mikroplastik in Ozeanen, Seen und Flüssen: Frankreich plant ein Verbot von Plastikgeschirr und Plastikbechern. Im Rahmen des Energiewende-Gesetzes „Energy Transition for Green Growth Act“ soll bis zum Jahr 2020 Schluss sein mit Rotwein im Plastikbecher und Baguette und Snacks vom Plastikteller. Der erste große Müllvermeidungsschritt in Frankreich erfolgte bereits im Juli 2016: ein Verbot von Einkaufstüten aus dünnem Plastik; wer jemals in Frankreich in einem Supermarkt oder auch auf einem der lokalen und pittoresken Dorfmärkte eingekauft hat, weiß, was damit gemeint ist … – bonne chance en France!

Aktualisierung 17.04.2017

Die Gefahr der Verschleppung von Mikroplastik in maritime Gewässer und Süsswasser-Systeme besteht nicht nur durch Kosmetika (Peelings, …), Zahncremes und verschiedene Reinigungsmittel, in denen solche Partikel als „Abrasionsmittel“ eingesetzt werden, sondern auch in einem Bereich, der so alltäglich wie den meisten Menschen als Problembereich unbekannt ist: beim täglichen Waschvorgang. Unsere auf Synthetikfasern (wie z.B. Polyester) beruhende topaktuelle Funktionskleidung wird durch wiederholte Waschprozesse immer wieder an der Oberfläche abgerieben und „rasiert“, die dabei entstehenden Mikroplastikpartikel sind so klein, dass sie von den vorhandenen Flusenfiltern nicht zurückgehalten werden. So gelangen diese Mikroplastik-Partikel über Abwasser und Kläranlagen (auch hier: keine mechanische Abtrennung durch vorhandenen Filtrationseinrichtungen möglich) in Flüsse und Seen, und amit rel. bald auch in die Meere. Experten kommen daher mehr und mehr zu dem Schluss, dass für eine wirkungsvolle Reduzierung des Plastikmülls in den Ozeanen auch die Hersteller von Waschmaschinen in die Pflicht genommen werden müssen – etwa durch die Verpflichtung des Einbaus verbesserter und für Mikroplastik wirkeungsvoller Filtereinrichtungen.

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Blog-Beiträge Dr. Matthias Brück

 

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