01 Mrz 2016

Legionellenbefall? – Hotel auf Norderney zwangsweise geschlossen

Wegen einem erneutem Verdacht auf Legionellenbefall hat das zuständige Landesgesundheitsamt die vorläufige Schließung des Hauses Ende Februar 2016 angeordnet

01 Mrz 2016

„Hotel wegen vermutetem Legionellenbefall nach Auflage des Gesundheitsamtes geschlossen“ – eine Schlagzeile, die kein Hotelbetreiber wirklich braucht. Für einen Hotelbesitzer auf Norderney ist dies nun Wirklichkeit geworden.

In dem 4-Sterne-Hotel mit 220 Betten waren in der Vergangenheit bereits acht Verdachtsfälle auf einen Legionellenbefall im Trinkwasser aufgetreten, zuletzt im Oktober 2015. Nun hat das zuständige Landesgesundheitsamt aufgrund eines neuerlichen Verdachtsfalls die Schließung des Hauses verfügt.

Haus geschlossen, Gäste ausquartiert – 900.000 Euro Schaden

Strand-Pier

Foto: pixabay / CC0

Die 220 Gäste mussten in andere Hotels ausquartiert werden, die 120 Mitarbeiter wurden in Zwangsurlaub geschickt. Eine Aussage zu einem tatsächlichen Befall mit Legionellen kann durch eine detaillierte mikrobiologische Untersuchung erst nach ca. 10 Tagen erfolgen. Solange das Ergebnis nicht feststeht, wird das Haus nach der Auflage des Gesundheitsamtes geschlossen bleiben. Der dadurch entstehende Umsatz- und Gewinnausfall ist natürlich ganz erheblich, auch wenn momentan nicht Hauptsaison auf der Insel ist. Der Hotelier schätzt den wirtschaftlichen Schaden durch die Zwangspause auf ca. 900.000 Euro; eine Versicherung wird diesen Schaden vermutlich nicht übernehmen.

Nicht beziffern lässt sich der in einem solchen Fall entstandene Imageverlust. Viele Gäste werden sich nach dem Lesen der Presseberichte fragen, ob seitens der Hotelleitung den Gästen die erforderliche Aufmerksamkeit in Sachen Gesundheitsvorsorge geschenkt wird. Schließlich will man sich in seinem wohlverdienten Urlaub ja nicht nur wohl, sondern auch sicher und gut aufgehoben fühlen.

Erst vor etwa vier Jahren wurde das Haus für etwa 25 Millionen Euro grundsaniert und modernisiert. Bei der letzten zurückliegenden Stillegung wurde die mehr als 3 Wochen dauernde Zwangspause genutzt, um die Trinkwasserinstallation zu spülen und zu desinfizieren – offenbar nicht mit dem erhofften Erfolg.

Bei Legionellenbefall Erstellung einer Gefährdungsanalyse erforderlich

Nach der Trinkwasserverordnung (TrinkwV § 16 Abs. 7) ist die Vorgehensweise in einem solchen Fall klar geregelt. Der Betreiber einer Trinkwasserinstallation ist hierbei aufgefordert, unverzüglich

  1. Untersuchungen zur Aufklärung der Ursachen durchzuführen oder durchführen zu lassen; diese Untersuchungen müssen eine Ortsbesichtigung sowie eine Prüfung der Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik einschließen,
  2. eine Gefährdungsanalyse zu erstellen oder erstellen zu lassen und
  3. die Maßnahmen durchzuführen oder durchführen zu lassen, die nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik zum Schutz der Gesundheit der Verbraucher erforderlich sind.
Muster Gefährdungsanalyse

© mit freundl. Genehmigung durch TEGEBA

Da der Laie diese Maßnahmen in der Regel wg. fehlender Sach- und Fachkenntnis nicht „im Alleingang“ durchführen kann, ist hierfür ein versierter Fachbetrieb einzuschalten. Einem Folgebericht in der Presse zufolge ist ein solches Hygienegutachten („Gefährdungsanalyse“) nun von einem beauftragten SHK-Fachbetrieb erstellt worden; diese Bewertung hat gezeigt, dass mehrere Mängel bei der bestehenden Trinkwasserinstallation gefunden wurden. Hätte man eine solche Hygieneprüfung, wie gesetzlich gefordert, bereits in der Vergangenheit durchgeführt, wäre dem Hotelbetreiber eine Menge Ärger, Geld und ein erheblicher Imageverlust erspart geblieben; die Kosten für ein solches Gutachten fallen gegen den nun entstandenen Schaden kaum ins Gewicht …

Die korrekte und sachlich richtige Vorgehensweise für eine Legionellenprüfung im Trinkwasser wurde hier bereits früher beschrieben.

Hotelbesitzer im Schwarzwald wg. fahrlässiger Tötung verurteilt

Hotel, Süd-Deutschland

Foto: pixabay / CC0

Dass mit Hygieneproblemen in einer Trinkwasserinstallation nicht zu „lax“ umgegangen werden sollte, zeigt in diesem Zusammenhang ein in das Jahr 2012 zurückreichender Fall, der nun ein gerichtliches Ende gefunden hat. Damals hatte ein Ehepaar in einem Hotel in Freudenstadt im Schwarzwald übernachtet. Die Ehefrau war nach dem mehrtägigen Aufenthalt in dem Hotel schwer erkrankt. Wie sich im Nachhinein herausstellte, hatte sie sich beim Duschen mit Legionellen aus dem Leitungswasser der Trinkwasserinstallation infiziert und sich dabei eine schwere Infektion mit den Symptomen einer Lungenentzündung zugezogen. Dass es sich dabei nur den Symptomen nach um eine „klassische Lungenentzündung“ handelte, war dem behandelnden Arzt offenbar nicht oder zu spät aufgefallen. Der Frau wurde schließlich eine chronische Autoimmunerkrankung zum Verhängnis: da seitens des behandelnden Arztes zu spät erkannt wurde, dass es sich nicht um eine einfache Lungenentzündung mit den entsprechenden Symptomen, sondern um eine schwere Legionelleninfektion (Legionellose) handelte, griff die eingeleitete Behandlung nicht bzw. zu spät und die Frau verstarb an den Folgen ihrer schweren Infektion.

Das zuständige Amtsgericht verurteilte nun den Hoteldirektor zu einer Geldstrafe von rund 14.000 Euro wegen fahrlässiger Tötung; damit gilt er als vorbestraft. Einen weiteren Geschäftsführer verurteilte das Amtsgericht ebenfalls zu einer hohen Geldstrafe von 3.000 Euro. Das Hotel ist inzwischen geschlossen, die Betreiberfirma hat Insolvenz angemeldet; ein wirtschaftlicher „Totalschaden“ also …

Trinkwasserinstallationen in älteren Gebäuden – häufig Hygieneprobleme

Alles in allem zeigen die Fälle, dass in vielen, insbesondere älteren, Trinkwasserinstallationen mit der Hygiene nicht immer alles zum besten steht. Auch „Hau-ruck-Sanierungsmaßnahmen“ sind häufig nicht geeignet, die Hygieneprobleme zu lösen. Daher ist jeder Hotelbetreiber – und natürlich auch jeder andere gewerbliche Betreiber einer Trinkwasserinstallation – gut beraten, sich im Hinblick auf Schaffung, Erhaltung und Wiederherstellung der Trinkwasserhygiene einen versierten Berater und / oder geeigneten Fachbetrieb einzuschalten. Der Gesetzgeber hat mit den letzten Änderungen der Trinkwasserverordnung vom Nov. 2011 und Nov. 2015 die Latte bzgl. möglicher Strafen bei nachgewiesenen Personen- und Gesundheitsschäden durch Verletzungen der Prüfpflichten sehr hoch gehängt: bis zu 3 Jahre Haft drohen demjenigen, der sich bei einem schwerwiegenden Verstoß der fahrlässigen Körperverletzung, womöglich mit Todesfolge, schuldig macht. Dagegen erscheinen die Kosten für eine orientierende Legionellenprüfung  des Trinkwassers und einen ggf. zweckmäßigen Hygiene-Check des Gebäudes geradezu lächerlich gering.

Aktualisierung 14.03.2016:

Dass sich hinter solchen Meldungen „Hotel geschlossen – hohe Ausfallkosten für Hotelbesitzer“ oft auch schwere persönliche Schicksale verbergen können, geht oftmals unter. Der finanzielle Schaden bei solchen Vorfällen ist für den / die Betroffenen sicherlich ärgerlich, vielleicht sogar existenzbedrohend, aber die Menschen , die gesundheitliche (Langzeit)Schäden bei solchen Ereignissen davon getragen haben, machen sich ganz andere Gedanken und haben oftmals auch ganz andere Sorgen als nur finanzielle. So wie der kürzlich berichtete Fall einer Lehrerin aus Nordhorn, die im Spätsommer 2014 ihren Urlaub in dem besagten Hotel verbrachte – und aus diesem Urlaub ein „Mitbringsel“ mit nach Hause brachte, das sie wohl nie wieder wirklich vergessen wird – eine schwere Legionelleninfektion (Legionellose), an der sie mehrere Monate herumlaborierte und an deren Folgeschäden sie bis heute leidet; mehr dazu hier: „Koma nach Legionellenerkrankung“.

Für die Hotellerie und das Gastgewerbe stehen wir, gemeinsam mit dem Kooperationspartner TEGEBA, als Fördermitglied des DEHOGA Hessen e.V. gerne bei allen Fragen der technischen Gebäudeinstallationen und der Trinkwasser- und Raumlufthygiene als Ansprechpartner zur Verfügung.

DEHOGA Hessen e.V.

DEHOGA Hessen e.V., Fördermitglied TEGEBA

Wenn Sie weitere Fragen zur Trinkwasserhygiene haben, nutzen Sie unsere Sach- und Fachkompetenz als Technische Beratung in allen Bereichen der Hygiene und Gesundheit in unserer Umwelt. Als Kompetenznetzwerk mit einem breiten Erfahrungsschatz bieten wir Ihnen praxisnahe Hilfestellungen und sinnvolle und bezahlbare Lösungen zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der Trinkwasserhygiene in Ihrer Trinkwasserinstallation. Gerne beraten wir Sie in einem ersten Gespräch kostenfrei und unverbindlich; nutzen Sie für Ihre Anfrage das Kontaktformular der Web-Site!

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Blog-Beiträge Dr. Matthias Brück

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