19 Apr 2016

Intelligente Armatur: Regelmäßiger Wasserfluss schützt vor Legionellen

Probleme bei der Trinkwasserhygiene entstehen meist, wenn ein regelmäßiger Wasserfluss fehlt. Eine Armatur mit automatischer Spülung oder andere nachrüstbare Spülsysteme sind hier technische Lösungsmöglichkeiten.

19 Apr 2016

Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel – und das Rohrleitungsnetz eines Gebäudes ist seine „Verpackung“!

Trinkwasser

Foto: public domain

Während die Qualität des Trinkwassers bei den Wasserversorgern jederzeit im Fokus ist und die wichtigsten Eigenschaften regelmäßig und häufig überprüft werden, beginnen die Probleme mit der Verunreinigung von Trinkwasser (z.B. ein Befall von Legionellen) meist in den Trinkwassernetzen unserer Gebäude – insbesondere, wenn Leitungswasser nicht regelmäßig fließt, sondern es über einen längeren Zeitraum zur Stagnation, zum Stehen von Leitungswasser, kommt – denn Stagnationswasser ist die „Brutstätte“ von wasserliebenden Mikroorganismen, die unserer Gesundheit leider nicht immer zuträglich sind …

Nicht genutzte Wasserabnahmestellen verursachen Hygieneprobleme

Wir alle kennen das aus unserem persönlichen Lebensumfeld: wird ein neues Haus oder eine Wohnanlage geplant und gebaut, lieber schon mal „zur Sicherheit“ alle erforderlichen Installationen an möglichen künftigen Nutzungsstellen bringen. Vielleicht soll ja später mal im Dachgeschoss ein Gästebad eingerichtet werden, oder im Keller eine Sauna, oder, oder …;

Foto: Wikiepdia / S. Wünsch, CC BY-SA 3.0

Foto: Wikipedia / S. Wünsch, CC BY-SA 3.0

also muss da schon mal ein Wasseranschluss gelegt werden, denn später geht das ja nicht mehr: Wasserleitungen werden im Fußbodenestrich verlegt oder an der Wand und später verputzt.

Trinkwasserhygiene: Stagnation und Totleitungen vermeiden

Umgekehrt läuft es häufig genauso: wo einmal eine Wasserabnahmestelle war (z.B. ein Gästebad, eine zusätzliche Dusche im Keller, …), ist aber jetzt vielleicht eine andere Raumnutzung geplant. Also: ruck, zuck den Wasseranschluss stillgelegt, Blindflansch darauf und fertig … Leider eben nicht „fertig“, denn mit solchen Totleitungen und Stagnationsbereichen beginnt das Übel mit der Trinkwasserqualität in einem Gebäude. Hier, wo kein Wasserfluss, keine Bewegung mehr stattfindet, können sich Bakterien vermehren, einen Biofilm aufbauen und sich dann immer wieder über die bestehende Verbindung zum restlichen Trinkwassernetz im Gebäude in das ganze Hauswassernetz ausbreiten – mit den möglichen Folgen einer Verkeimung von Warmwasser wie auch von Kaltwasser.

Automatische Spülsysteme zur Vermeidung von Stagnationswasser nutzen

Das Übel eindämmen und ggf. sogar ganz beseitigen kann man nur, wenn man den stetigen und regelmäßigen Wasserfluss erhält bzw. wieder schafft. Neben dem kompletten Rückbau von Totleitungen (der heute fast überall mit entsprechenden Hilfsmitteln durch „totraumfreie Abtrennung“ vom jeweiligen Steigstrang möglich ist),

(Video: Kemper System, Olpe)

gilt es also, den Wasserfluss in den vorhandenen und weiter gewünschten und genutzten Trinkwasser-Installationen regelmäßig durchzuführen. Dabei kann man verschiedene Wege gehen – und das ist durchaus wörtlich gemeint: bei größeren Gebäuden, in denen eine kontinuierliche Trinkwasserentnahme an ALLEN Abnahmestellen kaum möglich ist (Hotels und Ferienwohnungen / Ferienanlagen, Campingplätze, Wohngebäude / Immobilien mit unvollständiger Vermietung bzw. häufiger leerstehenden Wohnungen, Kliniken und Krankenhäusern, Kranken- und Altenpflegeheimen, Klassenräumen und Schulsporthallen, Kindertagesstätten / KiTas, …) kann man beispielsweise durch die Einrichtung von Spülplänen eine erforderliche „Zwangsspülung“ sicherstellen; da heißt es dann aber „Laufarbeit“: hier müssen in der Tat alle betroffenen Abnahmestellen regelmäßig abgelaufen und dort Wasser entnommen werden; idealerweise so viel, dass das Wasser in der Leitung vom Haupt-Steigstrang zur Abnahmestelle mindestens einmal vollständig ausgetauscht wird.

Armatur mit automatischer Spülung

Foto: WimTec

Die andere Möglichkeit ist, auf eine spezielle Armatur und / oder separate Spülvorrichtung zurückzugreifen, die diese Arbeit übernimmt. Hier haben inzwischen mehrere Hersteller praxistaugliche und zuverlässige Lösungen erarbeitet und nutzbar gemacht. Allen gemeinsam ist das Ziel, eine Spülung von Trinkwasserleitung und Armatur am „point-of-use“ sicherzustellen, also dort wo das Leitungswasser zur Nutzung austritt (Wasserhahn, Duschkopf, …). Dabei haben die Hersteller unterschiedliche Wege der Umsetzung einer Zwangsspülung beschritten.

Intelligente Armatur ermöglicht automatisierte Leitungswasserspülung

Eine technische Lösung ist es, die „intelligente Armatur“ mit einer Zeitschaltautomatik auszustatten: über den bekannten Rohrleitungsquerschnitt der Zuführungsleitung und die grob abgeschätzte Länge der Zuführungsleitung vom versorgenden Steigstrang zur Austrittsstelle kann so mittels Zeitschaltuhr die erforderliche Spülwassermenge eingestellt werden: die Spülautomatik öffnet für einige Sekunden und schließt dann wieder selbstständig. Der dabei anfallende Spülwasserverbrauch ist gering, denn pro Abnahmestelle fallen in der Regel nur wenige Liter Trinkwasser an (die Zuführungsleitungen vom Steigstrang zur Abnahmestelle sind in der Regel rel. dünn ausgeführt; eine Berechnung des Rohrleitungsvolumens unter Berücksichtigung des Rohrdurchmessers findet sich z.B. hier).

Darüber hinaus verfügen diese Zwangsspülungs-Armaturen oft noch über weitere Sensoren, die beispielsweise die Wasserabnahme über ein Fotoelement steuern;

Intelligente Armatur

Foto: WimTec

so wird an einem Handspülbecken nur dann Wasser laufen, wenn die Hand  unter den Wasserhahn gehalten wird; eine unerwünschte Wasserabnahme bei Zähne putzen, Nassrasur o.ä. wird so wirkungsvoll verhindert – und auf diesem Wege an anderer Stelle wieder Wasser erspart.

Armatur mit automatischer Spülung nicht wesentlich teurer als Standard-Armatur

Allerdings setzt diese Art der „Schadensbegrenzung“ voraus, dass die bestehenden Armaturen ausgetauscht werden müssen, eine Investition ist also erforderlich (wobei diese Art neuartiger, intelligenter Armatur nicht viel mehr kostet als eine klassische Armatur in guter, für die Trinkwassernutzung vom DVGW empfohlener und freigegebener Ausführung). Ein solcher Austausch bietet sich also beispielsweise an, wenn ohnehin an die Neuanschaffung entsprechender Armaturen gedacht wird.

Rohrbelüfter

Foto: WimTec

Bei der Abarbeitung von Spülplänen wie auch beim Einsatz einer „intelligenten Armatur“ kann es dann nützlich sein, wenn die evtl. bereits in der Installation befindlichen Rohrbelüfter nicht zurückgebaut wurden …

Einen anderen Weg gehen Hersteller von nachrüstbaren, manuell zu installierenden Spülsystemen.

Mobiles Spülsystem FLUSH 2.0

Foto: Aqua Sanitec

Hierbei können die im Tagesbetrieb nicht regelmäßig benutzten Abnahmestellen punktuell nachgerüstet werden, eine Anpassung an alle bestehenden Gewindegrößen und -arten ist möglich. Ein elektronischer Überlaufschutz ist integriert.

Die unterschiedlichen technischen Lösungen stellen sicher, dass eine mögliche Verkeimung des Trinkwassers verhindert wird. Damit tragen sie zur Verbesserung von Hygiene und Gesundheit im persönlichen Wohnumfeld wie auch in unterschiedlichen Gesundheitseinrichtungen bei, wo Menschen einer möglichen Gesundheitsgefährdung durch Mikroorganismen (z.B. Legionellen) im Trinkwasser gefährdet sein können.

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Blog-Beiträge Dr. Matthias Brück

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