31 Jan 2015

Kampf gegen multiresistente Keime

Wieder Probleme mit multiresistenten Keimen in einem Klinikum

31 Jan 2015

In der Uni-Klinik in Kiel breitet sich ein multiresistenter Keim aus. Bei fünf Todesopfern wurde der Keim festgestellt, 14 weitere Infizierte werden behandelt.

Klinikum Fulda

Klinikum Fulda,
Foto: Sven Teschke, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany

Problematische Hygienesituation in vielen Kliniken

Wieder macht ein Fall Schlagzeilen, der die problematische Hygienesituation in vielen Kliniken und Krankenhäusern zeigt: wie bereits in einem Beitrag Anfang Januar hier berichtet, trägt die dauerhafte Verwendung „klassischer Desinfektionsmittel“ im privaten Alltag wie auch in Kliniken, Krankenhäusern und Pflegeheimen sowie der breitflächige Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung und Fleischerzeugung immer häufiger zur Ausbreitung von multiresistenten Keimen bei. Bakterienstämme und Keime, die gegen die in solchen Desinfektionsmitteln vorhandenen, meist organischen Wirkstoffe unempfindlich sind, können sich ungehindert vermehren. Da in unseren Kliniken entsprechende „Schleusen“ zur mikrobiologischen Untersuchung aufzunehmender Patienten fehlen, werden diese von den Menschen in die Krankenhausumgebung hineingetragen.

Resistenz gegen gängige Antibiotika nicht neu

Das Problem ist nicht wirklich neu, sondern wird bereits seit vielen Jahren diskutiert; so weist bereits eine Stellungnahme zur „Resistenz von Mikroorganismen gegen antimikrobielle Biozide“ der Fachgruppe Mikrobiologie und Betriebshygiene der Deutschen Gesellschaft für Wissenschaftliche und Angewandte Kosmetik e.V. (DGK) bereits im Jahr 2000 auf dieses Problem hin (und gibt unter Abschnitt 4. auch Hinweise auf Präventivmaßnahmen!). Und auch das Biozid-Portal der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) gibt wertvolle Hinweise zu diesem Thema.

Kliniken als „Keimnester“?

Nachdem bereits vor einigen Jahren in Hessen der Fall im Klinikum Fulda Schlagzeilen machte, hat es nun die Uni-Klinik Kiel getroffen, in dem mehr als ein Dutzend Patienten die multiresistenten Keime in sich tragen. Inzwischen sind bereits zwölf Patienten verstorben. Bei der Mehrzahl der Patienten scheint medizinisch sicher, dass die Keime nicht die Todesursache darstellten, aber nach aktueller medizinischer Einschätzung aufgrund des geschwächten Immunsystems der Patienten ihren Teil zu dem tödlichen Ausgang beigetragen haben. Aufgrund der vielschichtigen Probleme bei der Beseitigung der Keime hat man Experten aus Frankfurt hinzugezogen. Diese verfügen vor allem aufgrund des Flughafens und der in diesem Zusammenhang häufig bearbeiteten Fällen von „exotischen Keimen“ ausgewiesene Könner in ihrem Fach.

Das Problem hat inzwischen solche Ausmaße angenommen, dass sich zahlreiche Initiativen und Interessenverbände mit der Bekämpfung des Übels befassen. Ein Beispiel dafür ist das MRE-Netz Rhein-Main, in dem sich zahlreiche Kliniken, Altenpflegeheime und ähnliche Einrichtungen zusammengeschlossen haben, um gemeinsam gegen antibiotikaresistente und multiresistente Keime vorzugehen.

https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en

Staphylococcus aureus,
Foto: Nathan Reading / Creative Commons Attribution 2.0 Generic

Was ist ein multirestenter Keim? – z.B. ein MRSA Keim (Methicillinresistenter Staphylococcus aureus), aber auch VRE (Vancomycinresistente Entero­kokken), ESBL (extented-spectrum-beta-lactamase bildende Enterobakterien) oder MRGN (multiresistente gramnegative Stäbchenbakterien). Im Klinikum in Kiel ist es nun ein Acinetobacter baumannii.

Niederlande Vorreiter in MRSA-Bekämpfung

Es wird höchste Zeit, dass sich auch in Deutschland die Verantwortlichen dazu entscheiden, eine flächendeckende und bundesweite Strategie zur Bekämpfung von multiresistenten Keimen wie MRSA zu entwickeln und umzusetzen – das heißt auch, die finanziellen Mittel dafür bereitzustellen. Andere Länder, wie beispielsweise die Niederlande mit ihrer bereits seit vielen Jahren verfolgten „search-and-destroy“-Strategie, können hier als Beispiel dienen.

Vielleicht ist es an der Zeit, einmal ernsthaft zu hinterfragen, ob Kliniken und Krankenhäuser ohne Rücksicht auf gesamtgesellschaftliche und gesundheitspolitische Aspekte nur in der Ausrichtung auf kommerzielle Ziele geführt werden müssen, denn manche Verkeimungsprobleme ließen sich mit ausreichend Personalkapazität und Zeit für die gründliche Reinigung und Desinfektion vielleicht vermeiden …

Aktualisierung 19.08.2016

Interessant sind im Zusammenhang mit der Bekämpfung von multiresistenten und nosokomialen Infektionen in Krankenhäusern / Kliniken / Pflegeeinrichtungen die Umfrage-Ergebnisse einer Untersuchung von MindMetre Research. Daraus geht hervor, dass den Patienten entsprechender Einrichtungen das Infektionsrisiko aufgrund zunehmender aufklärender Informationen in Presse, TV und Internet sehr wohl bewusst ist. So ist ein wesentliches Ergebnis der Studie, dass die Bürger in Deutschland der Meinung sind, dass die Beseitigung aller Krankenhausinfektionen zu den obersten fünf Prioritäten ihres nationalen Gesundheitssystems zählen sollte.

Das wesentliche Ziel der Untersuchung war die Ermittlung des öffentlichen Bewusstseins für Krankenhausinfektionen und deren Einfluss auf die Wahl des Krankenhauses, ebenso wie die Wahrscheinlichkeit, mit der Deutsche bei Infizierung mit einer Krankenhausinfektion ein Krankenhaus verklagen würden. 90 % der Befragten gaben an, sie würden darauf bestehen, in ein anderes Krankenhaus überwiesen zu werden, sollte bekannt gegeben werden, dass ihre örtliche Einrichtung eine schlechte Bilanz bei der Verringerung von Krankenhausinfektionen aufweist. 92 % sagten, dass sie das Krankenhaus verklagen würden, wenn sie sich aufgrund von Nachlässigkeit oder mangelhafter Hygiene- oder Pflegestandards mit einer Krankenhausinfektion infizierten. 50 % erklärten sich bereit, 30 km zu fahren, um in einem sichereren Krankenhaus behandelt zu werden.

Weitere interessante Ergebnisse der Untersuchung werden detailliert in einem Gruppenbericht der offenen Xing-Gruppe „Hygiene im Gesundheitswesen“ zusammengefasst oder können auf der Web-Site des MindMetre Research Instituts nachgelesen werden.

Für weitere Fragen rund um die Themenbereiche Trinkwasserqualität und -hygiene sowie Raumluft- und Oberflächenhygiene schauen Sie sich gerne die Beiträge auf meiner Web-Site an und nutzen Sie das Kontaktformular der Web-Site für Ihre spezielle Anfrage.

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