28 Apr 2015

Krankenhauskeime auf Arzt-Handys gefährden Patienten

Ärzte und Klinikpersonal benutzen Ihre Handys wie jedermann – mit entsprechenden Folgen in Sachen „verschmutzte Displays“

28 Apr 2015

Eine häufig unterschätzte und wenig beachtete Quelle für Krankenhauskeime: Ärzte, Krankenschwestern und anderes Pflegepersonal in Krankenhäusern und Kliniken benutzen ihr Smartphone, Handy und Tablet genau wie wir alle: Emails abrufen, Twittern, Facebook-Kontakte prüfen, Informationen aus dem Internet abrufen, … – und natürlich heutzutage alles auf dem Touch-Display. Während bei uns „Normalmenschen“ das verschmutzte Display des Smartphones häufig einfach nur „eklig“ ist und man mit Taschentuch (vielleicht auch noch unter Zuhilfenahme von bisschen Spucke …), Brillenputztuch oder auch dem Hemdärmel versucht, kurzzeitig für Abhilfe zu sorgen, sind diese Methoden bei Personen, die in Hygienebereichen mit Patienten und Kranken zu tun haben, nicht unbedingt die Mittel der Wahl. Auch der Laie kann sich sicherlich ganz gut vorstellen, welche Keimbeladung hier über das Handy-Display an die Patienten weitergegeben werden kann.

Krankenhauskeime auf Arzt-Handys sind ein erhebliches Infektionsrisiko

Tablet-Display

Foto: Wikipedia.de / Bin im Garten, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Die Techniker Krankenkasse (TK) warnt nun in einer Pressemitteilung vor Keimen auf Arzt-Handys. So wird berichtet, dass eine Studie schon vor mehreren Jahren gezeigt hat, dass sich auf praktisch jedem Handy eines Krankenhausarztes oder einer Pflegekraft ca. 4.000 Bakterien pro Quadratzentimeter befinden – das sind immerhin 84 mal mehr als auf einem Toilettensitz!; und nicht wenige sind offenbar antibiotika-resistent (Stichwort „MRSA Virus“, einer der gefährlichsten multiresistenten Krankenhauskeime in unserem täglichen Umfeld).

Bedenkt man, dass nach heutiger Kenntnis im Jahr bis zu 40.000 Patienten an multiresistenten Keimen in Kliniken und Krankenhäusern sterben, bekommt diese Infektionsquelle einen entsprechenden Stellenwert. Vor diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, dass Gesundheitsminister Gröhe vor wenigen Wochen ankündigte, dieses Thema mit einem Zehn-Punkte-Plan stärker in den Fokus zu nehmen und die „begleitenden Hygienemaßnahmen“ in Kliniken und Krankenhäusern verstärkt zu prüfen und anzupassen.

Klinikpersonal vernachlässigt häufig Hygiene auf Handy-Displays

Es ist sicherlich nachvollziehbar, dass eine solche Keimquelle Patienten in Krankenhäusern gefährden kann. Offenbar ist dieser Umstand noch nicht bei allen Beteiligten durchgedrungen, denn nach Aussage des Leiters der TK in Bayern, Christian Bredl, reinigt und desinfiziert kaum jemand vom Klinikpersonal sein Mobiltelefon regelmäßig. Unter Hinweis auf die Studienergebnisse verweist Bredl warnend auf das Infektionsrisiko für die Patienten und appelliert an die Ärzte und das gesamte Klinikpersonal, nach jedem Kontakt mit einem Mobiltelefon die Hände zu desinfizieren. Gleichzeitig fordert er die Krankenhäuser auf, die nötigen Desinfektions-Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Handynutzung bei Teenagern

Foto: pixabay / CC0

Gerade erst kürzlich stellten Molekularbiologie-Studenten aus Surrey in England ihre Ergebnisse zur Sichtbarmachung der „Keimflora“ auf  Handy-Displays vor: Bilder, die alle Betroffenen zum Nachdenken bringen sollten …

Aktualisierung 20.10.2016

Das Fachblatt „Ärztezeitung“ aus dem Springer-Verlag berichtet in seiner online-Ausgabe unter der Überschrift „Klinikkeime – 15.000 Tote in Deutschland pro Jahr?“ über Ergebnisse aus einer neuen Studie des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Für die Studie haben Forscher um Alessandro Cassini vor allem auf Daten des Zentrums zurückgegriffen, die im Zeitraum 2011/12 in 30 europäischen Ländern mit insgesamt 510 Millionen Einwohnern erhoben wurden. Auch Daten aus deutschen Kliniken sind hier eingeflossen.

Nach den Erkenntnissen der Forscher also kein wirklich kleines Problem (zum Vergleich: die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland liegt bei ca. 3.500 / Jahr).

Aktualisierung 25.11.2016

Auf den Displays und Tastaturen von Geldautomaten sieht es übrigens nicht wirklich viel besser aus, wie US-Forscher in einer eine aktuellen Studie herausfanden. Die meisten Miroben stammten von menschlicher Haut, von Haushaltsprodukten und Essensresten:

Wissenschaft: Am Geldautomaten tobt das Mikrobenleben – FOCUS Online Spuren von Hühnchen und Schimmelpilzen am Geldautomaten – das ist nicht wirklich lecker, aber meist auch nicht gefährlich. Auf der Tastatur von 66 solchen Automaten in New York City haben US-Forscher eine bunte Mischung verschiedenster Mikroben gefunden.

 

Kleiner Nebeneffekt: Die DNA von Geldautomaten-Tastaturen kann als Beleg für menschliches Verhalten sowie für Mikroben aus der Umwelt dienen – und ist damit Teil eines großangelegten Projekts zur Erforschung des New Yorker „Megagenoms“.

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