02 Jan 2015

Legionellen als Tatwaffe – Legionellose als Todesursache

Auch Keime können tödlich wirken …

02 Jan 2015

… zugegeben: eine eher ungewöhnliche Tatwaffe, aber unter Umständen mit tödlicher Wirkung, wie der nachfolgend geschilderte Fall einer tödlich verlaufenden Legionellose zeigt, der von zwei Kriminalbeamten der Kripo Erlangen im Rahmen des 11. Fachsymposiums für Gebäudetechnik und Hygiene in Bad Brückenau im Sept. 2014 vorgetragen wurde.

Typische Kranlandschaft auf einer Großbaustelle

Foto: Jonn Rübcke – Fotolia, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de

Todesfall durch Legionellose in fränkischem Landgasthof

Anlass für die dargestellten Ermittlungen war ein Vorfall aus dem Jahr 2013 im Raum Erlangen. Hier war ein 60-jähriger Gast in einem Landgasthof zu Tode gekommen. Der Mann war als Mitarbeiter eines größeren Bauunternehmens auf einer Baustelle im Raum Fürth / Erlangen auf einer Großbaustelle tätig gewesen. Unter der Woche hatte er über einen längeren Zeitraum regelmäßig in dem Landgasthof übernachtet. Während seines Aufenthaltes im September 2013 erkrankte er, fühlte sich nicht wohl, litt an Grippe-ähnlichen Symptomen (Husten, allgemeines Schwächegefühl, Atemnot). Er fuhr dann krank nach Hause, mit dem festen Vorsatz, sich über das Wochenende zu Hause auszukurieren. Da am Wochenende kein regulärer Arzt zu erreichen war, verzichtete er auf einen Arzt- oder Notarztbesuch und versuchte sein Glück mit den bekannten Hausmitteln zur Grippebekämpfung.

Leider wurde es aber über das Wochenende nicht besser mit seinen Symptomen, so fuhr er also am Montag in aller Frühe wieder zu seiner Arbeitsstelle – er wurde schließlich gebraucht, „krank feiern“ war sein Ding nicht nicht. Im Verlauf der Woche verschlechterte sich sein Gesundheitszustand jedoch dramatisch, so dass er schließlich zur Mitte der Woche hin mit einem Kreislaufkollaps zusammenbrach. Er wurde umgehend ins Krankenhaus eingeliefert, doch trotz aller ergriffenen Sofortmaßnahmen konnte sein Kreislauf nicht wieder ausreichend stabilisiert werden – so dass der Mann schließlich im Krankenhaus verstarb!

Legionellose ist eine meldepflichtige Lungeninfektionskrankheit

Die Autopsie des Leichnams ergab, dass der Mann an einer schweren Legionellose verstorben war, einer meldepflichtigen Infektionskrankheit der Lunge, die mit ähnlichen Symptonen verbunden ist wie eine klassische Lungenentzündung. Eine solche Legionellose „fängt man sich nicht irgendwie ein“, sondern wird häufig durch die Aufnahme der entsprechenden Keime, Legionellen, durch die Lunge (z.B. über das Einatmen ein dampfförmigen, lungengängigen Aerosols) verursacht. Also begann nun die Suche nach dem ursächlichen Infektionsherd – unter Einschaltung der zuständigen Kriminalpolizei (!), denn eine erforderliche Meldung eines Legionellen-Vorfalls in seinem Umfeld war nicht bekannt geworden; somit wurden also nun polizeiliche Ermittlungen unter dem Aspekt von „Legionellen als Tatwaffe für ein Straftat“ aufgenommen. Die Ermittlungen unter Einbeziehung des örtlichen Gesundheitsamtes in seinem direkten persönlichen Umfeld ergaben, dass weder in seinem eigenen Haus noch an anderen Orten in seinem Wohnort, wo er sich öfter und ggf. länger aufgehalten hatte, um sich eine Infektion zuziehen zu können, ein entsprechender Krankheitsherd zu finden war (das Gesundheitsamt hatte entsprechende Trinkwasserbeprobungen durchführen lassen). Also erweiterte die Kriminalpolizei den Untersuchungsbereich, und man stieß so sehr bald auf den Landgasthof, in dem er regelmäßig übernachtet hatte.

Hier führte eine entsprechende Trinkwasseruntersuchung schnell zu einem positiven Legionellenbefund in erheblicher Höhe. Bei dem umgehend benachrichtigten, für den Betrieb zuständigen Gesundheitsamt war der Betrieb nicht unbekannt: bereits vor mehreren Wochen war ebenfalls eine reguläre Legionellenuntersuchung im Trinkwasser für den Betreiber negativ ausgegangen;

stäbchenförmige Legionella pneumophila als Verursacher einer Legionellose

Legionella pneumophila, Foto: CDC (PHIL #1187) – CDC Public Health Image Library

aufgrund eines bereits damals aufgetretenen Infektionsfalls bei einem anderen Gast war eine Trinkwasseruntersuchung in dem Gebäude veranlasst worden. Nachdem man eine in der Höhe höchst bedenkliche Legionellenkonzentration gefunden hatte, war der Betreiber bereits im August 2013 aufgefordert worden, „umgehend“ Maßnahmen zur Wiederherstellung des hygienisch einwandfreien Zustands seiner Trinkwasseranlage zu ergreifen – geschehen war allerdings seitdem nichts, denn der Betreiber hatte gehofft, den Zustand und die entsprechende Aufforderung des Gesundheitsamtes ohne weitere Maßnahmen „aussitzen“ zu können. Ein tragischer Fehlschluss, wie sich nun herausstellte, denn aufgrund des bereits vorliegenden Bescheides des Gesundheitsamtes aus der Erstuntersuchung und dem nun aufgetreten Fall einer zweiten Infektion eines Gastes, mit dem bekannten tragischen Verlauf des Todesfalls, konzentrierten sich nun die Ermittlungen der Polizei vollends auf den Betreiber des Gasthofes. Unter Einbeziehung eines Fachunternehmens zur Bewertung der Hygiene von Trinkwasserinstallationen wurde nun eine umfassende Beprobung und Ursachensuche in dem Gebäude eingeleitet.  Im Rahmen dieser Untersuchungen und weiterer Ermittlungen wurden zahlreiche Beweise für eine erhebliche Schuld des Betreibers des Gesthofes zusammengetragen, die schließlich in einer Anklageerhebung wegen Verstoßes der Hygienevorgaben der Trinkwasserverordnung für den Gastwirt endeten.

Verfahren noch nicht entschieden, aber erdrückende Beweislast gegen den Gastwirt

Das Verfahren ist zum Zeitpunkt Dez. 2014 noch in der Verhandlung, aber die Beweislast ist erdrückend: die fehlende Sorgfalt bei der Einhaltung entsprechender Hygienemaßnamen im Trinkwasserbereich, die offensichtliche Unbekümmertheit angesichts des bekannten Befundes und des sich daraus für seine Gäste ergebenden Gefährdungspotentials und schließlich die Fahrlässigkeit, diesen Zustand nicht nur zu kennen und zu wissen, dass sich der Zustand „von selbst“ nicht verbessert sondern eher verschlechtern wird, und dadurch billigend in Kauf zu nehmen, dass weitere Gäste des Hauses in ernste Gesundheitsgefahr geraten können, wirken sich entsprechend negativ für den Gastwirt aus. Man kann sich ohne viel Phantasie vorstellen, dass aufgrund des Umfangs der polizeilichen Ermittlungen und der sich daraus ergebenden unerwünschten „Publicity“ der Gasthof sehr schnell in einem schlechten Licht dastand, unabhängig davon, dass die gerichtliche Entscheidung noch aussteht. Dadurch hat sich die wirtschaftliche Situation für den Gastwirt dramatisch verschlechtert, der vormals gefüllte Gästeparkplatz ist inzwischen verwaist, Gäste finden sich hier nur noch selten ein.

Die TrinkwV regelt den Umgang mit dem Lebensmittel „Trinkwasser“ – und bedingt empfindliche Strafen bei Nichteinhaltung der Vorgaben!

Natürlich wurde der Vorfall auch in den Fachmedien und -organisationen sehr schnell bekannt. Für den Laien vielleicht ziemlich überraschend ist die Tatsache, dass die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) in der aktuellen Novelle vom Dez. 2012 die einzige, strafbewehrte Verordnung  in Deutschland ist. Details zu den rechtlichen Folgen der Nichtbeachtung der Hygienevorgaben der TrinkwV für den Betreiber einer Trinkwasseranlage sind beispielsweise bei der „Initiative Raumluft & Trinkwasser“ übersichtlich zusammengestellt; auf dieser Web-Site wird der dagestellte Fall ebenfalls als Fallbeispiel erwähnt.

„In einem Gasthof in Erlangen starb im September 2013 ein 60 jähriger Gast an den Folgen einer Legionellen-Infektion durch verkeimtes Wasser in der Dusche. Dieser Fall hatte die erste kriminalpolizeiliche Ermittlung gegen den verantwortlichen Unternehmer wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung zur Folge. Nachdem ein direkter Zusammenhang zwischen dem positiven Legionellen Befund (4.000 KBE/ml) vom 14. August 2013 und dem Todesfall im September 2014 hergestellt werden konnte läuft nun das anwaltliche Strafverfahren.“

Quelle: Initiative Raumluft & Trinkwasser e.V.

Diese Zusammenfassung zeigt recht drastisch, dass ein Verstoß gegen die Vorgaben der TrinkwV kein Kavaliersdelikt darstellt, sondern ernsthafte Rechtsfolgen, bis hin zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe, nach sich ziehen kann. Dies sollte für jeden von den Vorgaben der Verordnung betroffenen Betreiber einer Trinkwasseranlage Anlass genug sein, sich ernsthaft mit den Inhalten und Vorgaben zur Behandlung unseres wichtigsten Lebensmittels „Trinkwasser“ intensiv zu beschäftigen!

Nachtrag im Februar 2016:

Tod durch Legionellen – Hotelchefs in Freudenstadt schuldig

In der Urlaubsregion Schwarzwald endet im Feb. 2016 ein Gerichtsverfahren gegen den Hotelbesitzer und einen der verantwortlichen Geschäftsführer bei der Führung eines Hotels mit Verurteilungen. Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass die verantwortlichen Personen mit Ihrem fahrlässigen Verhalten unter Nichtbeachtung der Vorgaben der Trinkwasserverordnung maßgeblich zum Tod eines Urlaubsgastes beigetragen haben. Die Dame hatte in Begleitung Ihres Ehemanns in dem Hotel übernachtet. Aufgrund ihrer chronischen Autoimmunschwäche wurde ihr die erhöhte Legionellenkonzentration im Leitungswasser des Hotels zum Verhängnis; die Frau zog sich eine schwere Legionellose zu und verstarb tragischerweise in Folge der schweren Infektion.

Hotel geschlossen, Hotelbesitzer nun vorbestraft

Das Hotel wurde im Verlauf des Verfahrens geschlossen. Der verantwortliche Hotelbesitzer ist nun vorbestraft und muss eine Geldbuße von EUR 14.000 entrichten, einen der Geschäftsführer verurteilte das Amtsgericht zu einer Geldbuße von EUR 3.000.

Damit zieht das zuständige Amtsgericht nach fast 4 Jahren einen Schlussstrich unter einen weiteren tragischen Tod durch eine Legionelleninfektion (Legionellose). Solche Fälle von Legionellose, verursacht durch das Einatmen von mit Legionellen belastetem Aerosol aus dem Leitungssystem eines Gebäudes (z.B. beim Duschen), sind weitestgehend vermeidbar, wenn der Betreiber der Trinkwasserinstallation seinen Verpflichtungen zur Hygieneprüfung des Trinkwassers gem. TrinkwV nachkommt und sein Leitungswasser regelmäßig gem. den gesetzlichen Vorgaben auf Legionellen testen lässt.

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Blog-Beiträge Dr. Matthias Brück

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