21 Apr 2015

Mikroplastik in Süsswasser-Ökosystemen – eine unterschätzte Gefahr

Die Entfernung mikroskopisch kleiner Kunststoffpartikel im Abwasser überfordert die Kläranlagen und stellt eine Gesundheitsgefahr für Mensch und Tier dar

21 Apr 2015

Ob aus Duschgels, Zahnpasta oder Peeling-Cremes – winzige Teilchen von Mikroplastik geraten ins Abwasser und werden immer mehr zum Problem. Selbst eine aufwändige Schlussfiltration kann die Partikel nur teilweise abtrennen – weil sie zu klein sind! Allmählich beginnt die Industrie, Alternativen anzubieten – und immer mehr Kosmetikahersteller kündigen an, auf Mikroplastik zu verzichten.

Verschmutzung durch Plastikmüll betrifft nicht nur die Weltmeere, sondern auch unsere Binnengewässer

Die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikmüll ist in den letzten Jahren immer stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Eine umfangreiche Dokumentation dazu findet sich hier:

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(Video: YouTube / Standard-YouTube-Lizenz, © DrSelbstdenker / ZDF)

Aber auch Süßwasser-Ökosysteme können in ähnlicher Weise durch Kunststoffpartikel verunreinigt sein. Darauf macht eine neue Fallstudie aufmerksam, die eine Forschungsgruppe um Prof. Dr. Christian Laforsch an der Universität Bayreuth und Prof. Dr. Reinhard Niessner von der TU München jetzt in der Zeitschrift „Current Biology“ veröffentlicht hat. Die Wissenschaftler warnen vor den bisher wenig beachteten gesundheitlichen Gefahren und fordern verstärkte Kontrollen, nicht zuletzt im Bereich von Süßwasserseen. So wurde erst kürzlich auch über eine entsprechende Verunreinigung in einer der „populärsten“ Süßwasserregionen Süddeutschlands berichet, dem Starnberger See.

Mikroplastik: kleingeriebene Verpackungen und Stofffasern

Mikroplastik

Mikroplastik
Foto: © BUND

Albatross at Midway Atoll Refuge

Foto: Chris Jordan / Lizenz: CC BY 2.0

Als Mikropartikel werden Kunststoffteile bezeichnet, die kleiner als 5 mm sind. Diese stammen meist aus Verpackungen, die im Wasser kleinteilig zerrieben werden oder auch Faserreste, die in der Waschmaschine vor allem aus Fleece-Pullovern herausgewaschen werden. Doch auch in Kosmetika finden sich solche Partikel, etwa zum Sonnenschutz. Mikroplastik gilt als bedenklich. Denn Tiere können die Partikel schlucken, womit diese in die Nahrungskette gelangen können. Das „Totvolumen“ in Magen und Darm gaukelt dann beispielsweise Vögeln vor, sie seien satt, obwohl die aufgenommene „Nahrung“ für sie keinen Nährwert hat, weil sie schlicht nicht verdaut werden kann – und so verhungern die Vögel mit vollem Magen;

möglicherweise besteht dieses Problem auch für kleine wasserlebende Tiere wie etwa Wasserflöhe.

Im Ufersediment des Starnberger Sees fanden Forscher der Universität Bayreuth und des Landesamts für Umwelt nun kürzlich 831 Partikel pro Quadratmeter. Ob bereits von diesen Mengen eine Gefahr ausgehen kann, ist weitgehend unbekannt, denn wissenschaftliche Informationen zu Aufkommen und Auswirkungen von Mikroplastik auf die Umwelt sind rar – noch, denn die Forschungsaktivitäten nehmen zu. So informierte jetzt beispielsweise Franz Brümmer zusammen mit Christian Bonten, beide vom Institut für Kunststofftechnik der Uni Stuttgart, im Rahmen der Kamingespräche des Kompetenzzentrums Umwelttechnik (KURS) über das weltweite Problem von Plastikabfällen in der Umwelt.

Bioabbaubares Plastik ist keine ausreichende Lösung

Biologisch schneller abbaubares Plastik ist keine ausreichende Lösung für das Problem; insbesondere bei tiefen Temperaturen, wie z.B. in den Tiefenwasserschichten im Meer, reicht die „Betriebstemperatur“ der Umgebung häufig nicht aus, um den Bioabbau durch Bakterien zu ermöglichen. Viel wichtiger ist daher eine Änderung im Verhalten der Menschen: dazu gehört vor allem, weniger Plastikmüll zu produzieren – auch in Deutschland. Natürlich bedeutet das häufig Verzicht: Plastiktüten lassen sich durch haltbarere Taschen ersetzen. Diese könnten durchaus aus Kunststoff oder Biokunststoff sein, denn aufgrund der Mehrfach- bzw. Dauernutzung tauchen sie ja nicht als Müll in der Umwelt auf. Und natürlich gilt auch: auf Mikroplastik in Kosmetikprodukten und Shampoos kann man ebenso gut verzichten.

Aktualisierung 04.08.2016:

In Wiesbaden eröffnet im August 2016 der erste „Unverpackt-Laden“ in Hessen. Der Ein- und Verkauf von Nahrungsmitteln und anderen Produkten bietet eine gute Möglichkeit, Verpackungen aus Kunststoffen zu  vermeiden und damit die scheinbar „unvermeidlichen“ Müllberge aus Plastik zu reduzieren. Auch eine Möglichkeit, die Menge an Mikroplastik, das aus dem Plastikmüll häufig entsteht, unsere Meere und Gewässer mehr und mehr verschmutzt und sich mit noch unabsehbaren Folgen in unserer Nahrungskette anreichert, zumindets nicht mehr ansteigen zu lassen.

„Unverpackt“ einkaufen geht heute sicherlich (noch) nicht überall und mit allen Produkten, aber auch ein langer Weg beginnt immer mit dem ersten Schritt!

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Blog-Beiträge Dr. Matthias Brück

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