28 Jul 2015

MRSA-Problematik in der Massentierhaltung

Nutztierhalter in großem Umfang mit la-MRSA besiedelt

28 Jul 2015

Das Problem der multiresistenten Keime (wie z.B. dem multiresistenten Staphylococcus aureus / MRSA) ist auch in der Massentierhaltung bekannt. In einer kürzlich durchgeführten Untersuchung sollte geprüft werden, ob und in welchem Umfang Nutztierhalter mit multiresistenten Keimen besiedelt sind.

Untersuchungen zum Befall möglichen MRSA-von Menschen in Regionen mit Massentierhaltung

Legionella_pneumophila

Foto: CDC (PHIL #1187) / Wikipedia, publ. dom.

In ihrem Juni-Newlsetter berichten die Hygieneinspektoren Baden-Württemberg über eine ungewöhnliche Wette: der Sprecher der Anwohnerinitiative Nordhümmling, Hermann-Josef Schomakers, hatte anlässlich einer Podiumsdiskussion über die Auswirkungen der Massentierhaltung im Rahmen der Generalversammlung der Erzeugergenossenschaft (EZG) Hümmling eG  (Niedersachsen) am 27.05.2015 behauptet, die Stallanlagen in der Region würden die Menschen zu Krankenhauskeimträgern machen. Der Geschäftsführer der EZG, Bernd Terhalle, hielt dagegen und bezweifelte die vorgetragene Behauptung. So wurde im Einvernehmen der Parteien eine entsprechende Untersuchung durchgeführt.

355 Teilnehmer  erklärten sich bereit, an der Untersuchung teilzunehmen. Bei diesen Testpersonen handelte es sich um aktive Landwirte mit Tierhaltung sowie um deren Familienangehörige und in der Landwirtschaft tätige Mitarbeiter. Gegenstand der Untersuchung war das Vorkommen von ha-MRSA-Stämmen (hospitalaquired) bei dieser Personengruppe.

MRSA-Keime können in ha-Stämme und la-Stämme unterschieden werden

Nach den jetzt vorliegenden Ergebnissen der Untersuchung zeigten 60% der Testpersonen – 211 Personen – überhaupt keine Besiedlung mit MRSA-Keimen. Zwei Nasentupferproben weisen ein Resistenzmuster auf, das für ha-MRSA spricht. Somit kommt der ha-MRSAStamm in der Testgruppe in einer Häufigkeit von 0,56% vor (zum Vergleich: nach Annahmen von RKI und mrsa-net ist davon auszugehen, dass etwa ein Prozent der Bevölkerung Träger von MRSA ist). Mit diesem Ergebnis ist nach Ansicht der EZG die Wette klar zu Gunsten der Nutztierhalter ausgegangen.

Massentierhaltung, Schweinestall

Massentierhaltung im Schweinestall,
Foto: Wikipedia.de / Maqi, publ. dom. /  Creative-Commons 3.0

Ganz anderer Ansicht als die zuvor genannte Erzeugergenossenschaft aus dem Emsland ist jedoch die Ärzteinitiative gegen Massentierhaltung: Die jetzt vorliegenden Ergebnisse würden „erneut die besorgniserregend hohe Besiedlung von Landwirten aus der konventionellen Tierhaltung mit multiresistenten Erregern“ verdeutlichen – denn bei 135 Landwirten sei der sog. la-MRSA (livestock associated = tierassoziiert) nachgewiesen worden. Das aber entspreche 38% aller untersuchten Personen bzw. 44% aller untersuchten Landwirte (die höchsten Raten bis 57% seien bei Schweine- und Ferkelhaltern festgestellt worden, Rinderhalter waren im Schnitt geringer belastet).

Aus Sicht der Ärzteinitiative sind die Ergebnisse in guter Übereinstimmung mit früheren Untersuchungen; danach sei bei bis zu 80 % aller Schweinehalter in konventionellen Betrieben la-MRSA nachgewiesen worden. Auch wenn die Ansteckungsgefahr von Mensch zu Mensch und die Schwere der Erkrankung bei la-MRSA (noch) nicht so hoch sei, wie bei ha-MRSA, so stellt dieser Keim nach Meinung der Ärzteinitiative „dennoch eine erhebliche Gefahr dar“. Dafür führt die Initiative folgende Gründe an:

la-MRSA-Stämme für Menschen ebenfalls gefährlich

„Mehrere Fälle schwerer Infektionen durch la-MRSA bei Landwirten sind bereits dokumentiert. Bei Nachweis von la-MRSA müssen Patienten vor Aufnahme in ein Krankenhaus zunächst langwierig entkeimt werden bzw. im Krankenhaus aufwendig und teuer isoliert werden. Die verschiedenen MRSA-Typen können ihre Resistenzeigenschaften untereinander austauschen. Die Keime können ihre Eigenschaften ändern und dadurch schwerere Erkrankungen hervorrufen oder ansteckender werden. Der la-MRSA breitet sich in tierhaltungsintensiven Regionen aus und findet sich auf vielen Fleischproben (z. B. auf 75% von Putenfleischproben laut einer BUND-Studie von Januar 2015).“

Offenbar haben wir es also in der MRSA-Thematik mit dem gleichen Problem zu tun wie bei Schweinegrippe, Vogelgrippe oder anderen „tierspezifischen“ Seuchen: eine Übertragung auf den Menschen ist nicht auszuschließen, Resistenzen können offenbar zwischen unterschiedlichen Keimstämmen übertragen werden – und damit müssen wir in der Hygiene von Krankenhäusern, Kliniken, Alten- und Pflegeheimen noch sorgsamer mit dem Thema „multiresistente Keime“ umgehen und entsprechende Vorkehrungen treffen (Hygienepläne, geeignete Desinfektionsmittel, regelmäßig zu tauschen – oder auf Produkte ohne Resistenzeffekte zurückgreifen!) – insbesondere in Regionen, in denen Massentierhaltungen betrieben werden.

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(Video: YouTube / planet e, Standard-YouTube-Lizenz)

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