04 Jun 2015

Multiresistente Keime schlimmer als Krebs?

Umdenken bei Einsatz und Anwendung von Antibiotika ist dringend geboten, sonst ist das Problem der Bildung und massenhaften Vermehrung von multiresistenten Keimen schon sehr bald nicht mehr beherrschbar

04 Jun 2015

Multiresistente Keime, oder auch multiresistenter Erreger (MRE), verbreiten sich immer mehr und ihre Bekämpfung wird mehr und mehr zu einem großen Problem – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

MRSA-Erreger

Staphylococcus aureus,
Foto: Janice Haney Carr, Centers for Disease Control and Prevention / Centers for Disease Control and Prevention, public domain

Wie eine neue Studie einer Berliner Forscherin im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion zeigt, wird sich die Zahl der Toten durch multiresistente Keime ohne ein Umsteuern beim Einsatz von Antibiotika drastisch erhöhen. In der jüngst veröffentlichten Untersuchung warnen die Autoren, dass sich die Zahl der Toten von jetzt weltweit etwa 700.000 pro Jahr bis 2050 auf zehn Millionen erhöhen könnte. Dafür legen sie Schätzungen der britischen Regierung von 2014 zugrunde und setzen voraus, dass keinerlei Gegenmaßnahmen getroffen werden.

Langfristig mehr Tote durch multiresistente Keime als durch Krebs

Cutaneous_abscess_MRSA_staphylococcus_aureus_7826_lores

Foto: CDC/Bruno Coignard, M.D.; Jeff Hageman, M.H.S., CDC / public domain

Für Europa würde dies einen Anstieg von jetzt etwa 23.000 auf 400.000 Tote bedeuten. Damit würden dann mehr Menschen an multiresistenten Keimen sterben als an Krebs. In Deutschland geht das Bundesgesundheitsministerium von insgesamt 400.000 bis 600.000 Patienten aus, die jedes Jahr durch medizinische Behandlungen Infektionen bekommen – und von bis zu 15.000 Toten. Gut ein Zehntel dieser Krankenhauskeime gilt heute als multiresistent (wie beispielsweise der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus, auch bekannt als MRSA). Das heißt, diese  reagieren nicht mehr auf gängige Antibiotika und lassen sich dementsprechend mit „klassischen Antibiotika“ nicht mehr bekämpfen.

Massenhaften und prophylaktischen Einsatz von Antibiotika unterbinden

Daher ist es dringend geboten, unsere Handlungsweisen im Alltag zu überdenken: Ärzte verschreiben noch immer hemmungslos Antibiotika gegen einen Sommerschnupfen – häufig nach Aufforderung ihrer Patienten – und massenweise vorbeugend im Stall in der Massentierhaltung. Von dieser Praxis sollten wir uns schnellst möglich verabschieden! Bakterienbekämpfung sollte nur dort stattfinden, wo ein Befall nachweisbar ist, in der Prophylaxe (wie z.B. Massentierhaltung) haben solche Produkte nichts zu suchen!

In Hygiene und Desinfektion führen klassische Desinfektionsmittel zu Resistenzbildungen

Ebenso werden im Bereich der Hygiene und Desinfektion immer noch zu viele Desinfektionsmittel eingesetzt, die aufgrund ihrer Inhaltsstoffe und Wirkungsweise ebenfalls zur Bildung und Vermehrung von multiresistenten Keimen beitragen.

Sprühdesinfektion

Foto: pixabay / publ. domain

Hier sind vor allem die Produkte zu nennen, die mit speziellen organischen Molekülen Wirkungsmechanismen mit den Zellmembranen der Schaderreger verursachen und diese zum Absterben bringen – aber eben immer nur solche Keime, die mit dem enthaltenen organischen Wirkstoff reagieren, alle anderen Keimarten bleiben durch solche Produkte unbehelligt und können sich weiter vermehren. Der häufige Wechsel der Produkte und der enthaltenen Wirkstoffe, der die Bildung von resistenten Stämmen unterbinden könnte, bleibt aus – es ist ja viel bequemer, immer das gleiche (Marken-)Produkt einzusetzen, als sich ständig auf die Suche preisgünstigen Alternativen zu machen …

Oxidativ wirkende Biozide verhindern Resistenzbildung …

Grundsätzlich besser geeignet sind aber solche Mittel und Wirkstoffe, die aufgrund oxidativer Verfahren gegen ALLE Mikroorganismen wirksam sind. Solche Produkte sind bereits seit vielen Jahren bekannt, haben im Markt aber noch nicht die angemessene Verbreitung gefunden – vielleicht weil das Problem der multiresistenen Keime in der Vergangenheit von den Gesundheitsbehörden als nicht so gravierend eingestuft wurde und damit beim Verbraucher die entsprechende Sensibilität bisher nicht vorhanden war (oder vielleicht auch weil die Marktmacht bestimmter Großkonzerne, die sich auf die Herstellung bestimmter organischer Biozide fokussiert haben und an „Billigalternativen“ nicht wirklich sind, ein bißchen zu groß war und ist …). Doch mit zunehmender Wichtigkeit des Themas „multiresistente Keime“ werden solche Produkte immer wichtiger.

und sind bei verschiedenen Anbietern am Markt verfügbar

Es gibt inzwischen verschiedene Hersteller, die Produkte dieser Art im Markt anbieten, sowohl als Fertigprodukte in unterschiedlichen Verpackungen als auch, speziell für gewerbliche Anwender, in Form kleiner Produktionsanlagen, die in hygienesensiblen gewerblichen Anwendungen (Lebensmittel- und Getränkeherstellung und -verarbeitung), in Kliniken und Altenpflegeheimen wie auch in Wohnimmobilien (z.B. zur Trinkwasserbehandlung / -desinfektion) installiert werden können.

ECA-Anlage, E2H-Technologie, H. Schäffler GmbH

Foto: m. freundl. Genehm. v. H. Schäffler GmbH

Mit Hilfe dieser Anlagen und der damit produzierten Wirkstoffe lässt sich das Problem der Resistenzbildung und der ungehemmten Vermehrung multiresistener Keime und Erreger, zumindest in der Hygiene und Desinfektion, in erheblichem Umfang reduzieren. Dadurch kann die Problematik der bekannten „Krankenhauskeime“ in erheblichem Ausmaß reduziert werden.

Es bleibt zu hoffen, dass mehr und mehr sensibilisierte Anwender auf solche Produkte zurückgreifen und dadurch mithelfen, das Problem der Bildung und Vermehrung multiresister Keime und Errger, auch jenseits umfangreicher staatlicher Regulierungen (deren Umsetzung in der Praxis ohnehin oft Jahre erfordert) in den Griff zu bekommen.

Aktualisierung 27.05.2016:

Inzwischen wurde auch in den USA der erste „Supererreger“ indentifiziert, der gegen 15 klassische Antibiotika resistent ist – bedauerlicherweise auch gegen ein sog. Reserve-Antibiotikum (Colistin), das nur in Fällen hartnäckigster Resistenzen und bei der Bekämpfung von Pandemien zum Einsatz kommen soll. Damit zeigt sich einmal mehr, dass der Siegeszug der multiresistenten Keime offenbar kaum noch aufzuhalten ist; droht, wie manche Wissenschaftler befürchten, bei der Bekämpfung von Infektionen der Rückfall ins Mittelalter, wenn unser „schärfstes Schwert“, die Antibiotika, mehr und mehr wirkungslos werden?

Aktualisierung 19.09.2016:

Für ein besseres Verständnis, warum multiresistente Erreger in Krankenhäusern so verbreitet sind, wurden kürzlich in einer Studie Patienten zum Zeitpunkt der Klinikaufnahme untersucht / „gescreent“. Das frustrierende Ergebnis: Jeder zehnte Patient war bereits vor Aufnahme in der Klinik mit den Keimen belastet.

Im Rahmen der Studie wurden über 4.000 Erwachsene bei der Klinikaufnahme anhand von Stuhlproben oder Rektalabstrichen auf multiresistente Enterobakterien (Enterokokken) untersucht. Im Fokus war dabei eine Gruppe von multiresistenten Bakterien, die häufig in Krankenhäusern Probleme bereiten: nämlich die 3. Generations-Cephalosporin-resistenten Enterobakterien (3GCREB). Diese multiresistenten Darmbakterien verbreiten sich aktuell weltweit mehr und mehr und sind unter anderem gegen Cephalosporine, eine der aktuell  am häufigsten eingesetzten Antibiotika, resistent – und verursachen daher im Klinikbereich erhebliche Probleme.

Aktualisierung 06.10.2016

Neue Erkenntnisse über das Vorkommen multiresistenter Keime in unserer Umwelt und den Gefahren, die durch die „Besiedlung“ von Landwirten, Tierärzten wie auch Krankenhauspersonal und Ärzten durch diese Keime entstehen können, in einem Bericht des SWR.

Aktualisierung 12.01.2018:

Viele fachübergreifende Netzwerke in Deutschland greifen die Initiativen zur Bekämpfung multiresistenter Keime und mit gängigen Antibiotika kaum noch zu beherrschenden Bakterien auf, beispielsweise das MRE-Netzwerk Rhein-Main (MRE = multiresistente Erreger),

MRE-Initiative Rhein-Main

Foto: MRE-Initiative Rhein-Main (http://www.mre-rhein-main.de/)

das im Main-Kinzig-Kreis auf Initiative der Hygienefachkräfte des Klinikums Hanau im Dezember 2017 wieder einen Workshop zum Erfahrungsaustausch veranstaltet hat. Neben Informationen zur Bündelung wirksamer Maßnahmen, um effektiv die Verbreitung von multiresistenten Erregern reduzieren zu können wurde auch über die sachgerechte Anwendung von Antibiotika informiert, um Resistenzentwicklungen zu verhindern. Mit praktischen Beispielen wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vermittelt, wie eine vernünftige und medizinisch angebrachte Behandlung an betroffenen Patienten durchzuführen ist.

Natürlich bot die Veranstaltung auch wieder einen optimalen Raum für fundierte Fachvorträge und anschließende Fachdiskussionen.

Für weitere Fragen rund um die Themenbereiche der vier Elemente Wasser, Erde, Feuer und Luft wie Trinkwasserqualität und -hygiene, Prozesswasseraufbereitung, Hygiene und Desinfektion sowie passiven Wärmeschutz von Gebäuden schauen Sie sich gerne die Beiträge auf meiner Web-Site an und nutzen Sie das Kontaktformular der Web-Site für Ihre spezielle Anfrage.

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