03 Feb 2015

Sind Kunststoffe für Transport und Aufbewahrung von Wasser gesundheitsschädlich?

Der heutige gängige Kunststoff PEX (verstärktes Polyethylen) ist nicht frei von Schadstoffen …

03 Feb 2015

In jüngster Zeit tauchen vermehrt Fragen zum möglichen Schadstoffgehalt in Rohrleitungsmaterialien für Trinkwasser auf der Basis von Kunststoffen auf. So ganz „ohne“ ist diese Frage nicht; speziell bei erhöhten Temperaturen, sprich im Warmwasser (>= 60 °C), können Rohre aus Kunststoffen minderer  Qualität in geringen Mengen Schadstoffe abgeben.

Trinkwasserleitungen für Rohrleitungen wurden in der Vergangenheit aus zahlreichen unterschiedlichen Werkstoffen hergestellt:

  • Schmelztauchverzinkte Eisenwerkstoffe (verzinkter Stahl)
  • Nichrostender Stahl (Edelstahl)
  • Kupfer
  • Kunststoffe (Polyvinylchlorid-, Polyethylen-, Polybuten- und Polypropylenrohre)
  • Mehrschichtige Metallverbundwerkstoffe
    Kupferrohre


    Foto: pixabay / CC0 Public Domain

    PE Drainage-Schlauch

    Foto: Nino Barbieri / CC BY-SA 2.5

Kunststoffrohre werden verstärkt seit ca. 20 Jahren eingesetzt; dafür sprechen sowohl Kostengründe als auch die leichte Verarbeitbarkeit und die lange Haltbarkeit / Unverrottbarkeit. Natürlich müssen all diese Werkstoffe gegen die im Wasser üblicherweise gelösten Materialien, Gase und Metalle und somit gegen Korrosion beständig sein. Entsprechende Vorgaben sind in der DIN 1988-2 Technische Regeln für Trinkwasser-Installationen (TRWI) beschrieben und festgelegt. Grundsätzlich gilt, dass die Werkstoffe das Trinkwasser in seiner Lebensmittelqualität nicht unzulässig beeinträchtigen dürfen.

Rohre aus Kunststoff bereits seit den 1930er Jahren bekannt

Bereits 1934 entstand in Bitterfeld das erste „PVC-Rohr“ mit dem Namen „Vinidur“ aus dem Kunststoff Polyvinylchlorid (PVC). „Alte“ Rohre aus PVC und Polyethylen (PE) halten warmem Wasser allerdings nicht ausreichend stand. Seit einigen Jahren kennt man eine ganze Reihe neuer Werkstoffe auf Kunststoffbasis für den Kontakt mit warmem und kaltem Trinkwasser (s. auch S. 23 der UBA-Broschüre „Rund um das Trinkwasser“). Hierzu gehören zum Beispiel Polypropylen (PP), Polybuten (PB), nachchloriertes Polyvinylchlorid (PVC-C) und vernetztes Polyethylen (PE-X).

Die Wahl des Werkstoffs hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der Härte des Wassers: sehr hartes Wasser verursacht Kalkstein, sehr weiches Korrosion. Speziell bei starker Korrosionsneigung wird daher häufig auf Kunststoffe als Werkstoff für das „Leitungswasser“ zurückgegriffen, um die Anreicherung von Metallionen im Hauswassernetz durch Korrosionsabbau des Rohrmaterials zu verhindern. Für dieses Material sprechen auch Handling, leichte Verarbeitbarkeit – und nicht zuletzt auch der Preis … Bei all den Vorteilen sollte man bedenken, dass in vielen Kunststoffen, bedingt durch den Herstellprozess und auch den Abbau sowie Alterungsprozesse, Stoffe enthalten sein können, die, speziell bei höheren Temperaturen, aus dem Werkstoff in das Trinkwasser gelangen können. Bei manchen dieser Stoffe kennt man die möglichen Nebenwirkungen und Langzeitschädigungen, bei anderen noch nicht …

Mineralwasser ist „sensibel“ gegen chemische Geschmacksstoffe

PET-Flasche

PET-Einwegflasche,
Foto: Jesusalconada / GNU Free Documentation License

Auch bei Mineralwasser ist die Werkstofffrage immer wieder in der Diskussion. So sind beispielsweise zwei Drittel aller gekauften Wasserflaschen in Deutschland sind PET-Flaschen. Neben dem Abbaustoff Acetaldehyd, der durch Alterungsprozesse und chemische Zersetzung des Polyesters auftreten kann und der sich häufig geschmachsverändernd auswirkt, wurden auch geringe Mengen an hormonaktiven Substanzen gefunden:

Dass PET-Flaschen ein gesundheitliches Risiko darstellen können, haben Forscher der Frankfurter Universität in einem Experiment mit Schnecken herausgefunden. Sie ließen die Schnecken acht Wochen lang in Glas- bzw. PET-Flaschen leben, die mit Wasser gleicher Herkunft gefüllt waren. Nach Ablauf der Frist zählten die Experten die Nachkommen in den Bruttaschen der Tiere. Es zeigte sich, dass die Schnecken aus den PET-Flaschen eine deutlich höhere Reproduktionsrate hatten, was für eine hormonelle Belastung der Umgebung spricht. Die Experten schlossen daraus, dass entsprechende Substanzen aus der Verpackung in das Wasser übergegangen sein mussten. (Quelle: Fit for Fun)

Bei PET handelt es sich um einen Polyester, der durch eine Polykondensation aus einem Alkohol und einer Säure hergestellt wird. Dazu wird Antimonpentoxid als „Katalysator“ verwendet. Im Gegensatz zu einer normalen Katalyse, bei der der Katalysator in der Kreislaufreaktion fast vollständig zurückgewonnen wird, verbleibt aber hier das Antimonpentoxid fast vollständig in der Polyestermasse – und wird im Verlauf der Zeit teilweise wieder abgegeben. So kann es beispielweise in das Mineralwasser (bzw. andere darin aufbewahrte Getränke) gelangen.

Fazit: die heute gängigen Kunststoffe für Transport und Aufbewahrung von Wasser erfüllen hohe Qualitätsanforderungen und sind im Grunde gut für den dauerhaften Kontakt mit Wasser geeignet. Nichtsdestotrotz gibt es auch zahlreiche Berichte über mögliche Schadstoffe, die aus diesen Materialien in das Wasser eindringen und unsere Gesundheit gefährden können. Während man bei der Hausinstallation in der Regel auf den Werkstoff der Rohrleitungen keinen Einfluss hat (außer man ist selbst der bestimmende Bauherr …), kann man bei verpackten Getränken durchaus ausweichen und sollte daher auch einmal auf andere Verpackungsarten zurückgreifen; Beispiele dafür gibt es ja sicherlich genug …

DPG-Einwegpfand-Rohstoff-Sorten

Foto: Dirk1981 / CC 4.0

Für weitere Fragen rund um die Themenbereiche Trinkwasserqualität und -hygiene, Prozesswasseraufbereitung, Hygiene und Desinfektion sowie passiven Wärmeschutz von Gebäuden schauen Sie sich gerne die Beiträge auf meiner Web-Site an und nutzen Sie das Kontaktformular der Web-Site für eine spezifische Anfrage.

Gefallen Ihnen die Themen dieser Web-Site und meine Blog-Beiträge?
Dann teilen Sie sie gerne in Ihrem Netzwerk per Facebook, Twitter oder Google+.
Um keinen Beitrag zu verpassen, können Sie die News auch als RSS-Feed abonnieren:
https://drbrueck.de/feed/rss/

Kommentar hinterlassen
Weitere Beiträge
Kommentare
Kommentar

Kommentar verfassen

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.
blogwolke.de - Das Blog-Verzeichnis
%d Bloggern gefällt das:

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu, Diese sind für den Betrieb dieser Seite notwendig. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen