08 Dez 2015

Smog in Peking: wenn die Luft zum Schneiden ist

Smog in Chinas Großstädten als Begleiterscheinung zum wirtschaftlichen Aufstieg wird zur Dauerbelastung

08 Dez 2015

Smog in einer der größten Städte der Welt – der Ausnahmezustand ist inzwischen (fast) die Regel: passend zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Paris (COP 21) gingen in den vergangenen Tagen wieder beunruhigende Bilder aus Chinas Hauptstadt um die Welt. Man sieht eigentlich fast nichts, denn Peking verschwindet geradezu in dichtem Smog.

Smog in China: Begleiterscheinung des Aufstiegs zur Weltwirtschaftsmacht

Smog in Peking August 2005

Foto: Wikipedia / „Beijing smog comparison August 2005“ by Bobak, CC BY-SA 2.5

Chinas Aufstieg zur Industrienation wird begleitet durch massive Umweltbelastungen. Jeden Winter das gleiche Bild: um die Temperatur in den Betonbauten des Molochs erträglich zu gestalten fahren die Kraftwerke mit Beginn des Winters ihre Heizleistung nach oben. Daneben bullern in den Wohnungen die Heizöfen. Energiequelle für beides: natürlich Kohle, Chinas wichtigster Primär-Energieträger. Feinstaubfilter für die Kraftwerke: natürlich Fehlanzeige. Wenn dann noch die steigende Industrieproduktion mit Ihrem Energiehunger dazu kommt, ist es schnell vorbei mit den herrlichen Stadtpanoramen: speziell bei windarmen sog. „Inversions-Wetterlagen“, entsteht eine extrem hohe Feinstaubbelastung, die die Sicht massiv beeinträchtigt und eine hohe Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung mit sich bringt.

Feinstaubwerte in Peking sprengen die Messwertskala

In diesem Jahr ist es besonders schlimm: die gemessenen Feinstaubwerte sprengten buchstäblich die Mess-Skala – Feinstaubbelastungen jenseits von 500 Mikrogramm pro Kubikmeter entsprechen nahezu dem 20-fachen des Grenzwertes von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter, den die WHO bereits als langfristig gesundheitsgefährdend einstuft. Besonders kritisch ist dabei die Tatsache, dass die tückischen Feinstaubpartikel aufgrund ihrer Partikelgröße von kleiner 2,5 Mikrometer (PM 2,5) lungengängig sind und damit über Lunge und Bronchien direkt ins Blut gehen und Krebs auslösen können. Außerdem können sie zu Entzündungen der Atemwege führen oder auch Thrombosen und Herzstörungen auslösen. In den letzten Tagen erreichte der Index für diese Feinstaubpartikel an der US-Botschaft vorübergehend > 430 Punkte, nachdem in den vergangenen Wochen schon häufig Werte von 200 bis 300 Punkte erreicht worden waren.

Peking ist zwar die chinesische Stadt, die am bekanntesten für ihre Smogprobleme ist. Aber sie ist bei weitem nicht die einzige:  38 Prozent der Chinesen atmen ungesunde Luft, wie in einer US-amerikanischen Studie kürzlich berichtet wurde. Nach Schätzungen der Autoren verursacht die in vielen Städten mit Schadstoffen belastete Luft in China ca. 1,6 Millionen Todesfälle pro Jahr – das sind etwa 4000 Tote pro Tag, so viele Menschen sterben in Deutschland im Strassenverkehr – jährlich!

Feinstaubbelastung und Smog torpedieren Chinas Wirtschaftsstrategie

Aufgrund dieser Gesundheitsgefährdung finden inzwischen viele ausländische Firmen kaum noch Mitarbeiter, die sich diesen Gefahren für längere Zeit aussetzen und in Peking leben wollen. Die Besetzung entsprechender Managementpositionen wird zunehmend schwieriger. Und nicht nur das: aufgrund der Luftbelastung durch den Smog sollen in den letzten Tagen Angaben der Nachrichtenagentur AFP 2.100 Fabriken geschlossen worden sein. Im Großraum Peking betraf das in erster Linie die kritischen Luftverschmutzer wie Zement- und Petrochemiefabriken, doch auch andere Roh- und Hilfsstoffhersteller waren betroffen – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Lieferketten und damit die Produktion von Waren, die sowohl für den Inlandskonsum wie auch für den Export bestimmt sind. Mit der hohen Luftverschmutzung torpediert China also letztendlich seine eigene Wirtschaftsstrategie der künftigen Fokussierung auf hochwertige Exportartikel.

Auch in Indien ist Feinstaubbelastung ein Problem: Smog auch in Neu-Delhi

Smog in Neu-Delhi

Foto: Huffington Post / Manoj Kumar/Hindustan Times via Getty Images

Auch in anderen Schwellenländern ist das Problem der Luftverschmutzung nicht unbekannt. So ist aus Medienberichten zu entnehmen, dass der Smog in Neu-Delhi offenbar noch schlimmere Ausmaße erreicht hat wie in Peking. Daher plant die indische Regierung massive Einschränkungen beim Strassenverkehr: nach Berichten des indischen TV-Senders India Today dürfen Autos in Neu-Delhi mit gerader und ungerader Kennnummer ab Beginn des nächsten Jahres nur an verschiedenen Tagen fahren. Außerdem soll das nahe der Stadt gelegene, fast 50 Jahre alte und sehr ineffiziente Kohlekraftwerk Badarpur geschlossen werden. Als ungewöhnlichste Maßnahme darf sicherlich die Idee betrachtet werden, die Hauptstraßen in Neu-Delhi ab dem 01. April nächsten Jahes regelmäßig per Staubsauger gereinigt und vom Feinstaub befreit werden sollen.

Dumm nur, dass auch die Staubsauger wieder Energie benötigen, die in Neu-Delhi nur schwierig umweltfreundlich und staubfrei zu erzeugen ist … Einfacher wäre es natürlich für die vom Feinstaub belasteten Großstädte, wenn man einfach nur den Wind „einschalten“ könnte, um die Smog-Glocke wegzublasen, so wie in Peking vor einigen Tagen bereits geschehen. Aber leider kommt der Wind nicht immer wie bestellt, und der Smog stellt sich schnell wieder ein …

Nachtrag und Aktualisierung vom 20.02.2016:

Forscher der University of British Columbia legten kürzlich im Rahmen der Wissenschaftskonferenz der „American Association for the Advancement of Science“ (AAAS) neueste Forschungsergebnisse von Untersuchungen zur Auswirkung der globalen Luftverschmutzung vor. Danach sterben weltweit ca. 5,5 Millionen Menschen jährlich an den Folgen von exzessiver Luftverschmutzung und Feinstaub. In der Praxis wäre damit jeder zehnte Todesfall weltweit auf schlechte Luft zurückzuführen, gleich ob in der eigenen Wohnung oder in der Umwelt.

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Blog-Beiträge Dr. Matthias Brück

 

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