24 Feb 2015

Trinkwasserprüfung in Gewerbe, Immobilie und Wohnung

Trinkwasserhygiene – ein spannendes und wichtiges Thema für Mieter und Vermieter wie auch für Gewerbetreibende, denn Gesundheit geht uns alle an

24 Feb 2015

Die Qualität unseres Trinkwassers wird in Deutschland durch die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) geregelt; ein besonderer Fokus des Gesetzgebers leigt dabei in der Trinkwasseruntersuchung auf Legionellen.  Da es sich allerdings „nur“ um eine Verordnung und nicht um ein Gesetz handelt, ist eine hygienisch einwandfreie Trinkwasserqualität, z.B. für den Bewohner einer Mietwohnung, (noch …) nicht einklagbar. Trotzdem sollten sich Vermieter und Gewerbetreibende an die Vorgaben einer regelmäßigen Trinkwasserprüfung gem. TrinkwV halten.

Trinkwasser aus dem Wasserhahn

Foto: Klaus Ohlenschläger / CC BY-SA 3.0

Trinkwasserqualität in Deutschland allgemein „sehr gut“

Gerade erst hat das Umweltbundesamt (UBA) dem Trinkwasser in Deutschland wieder die Note „sehr gut“ verliehen. Damit diese hohe, von den Wasserversorgern gelieferte Trinkwasserqualität auch in den Rohrleitungen unserer Wohngebäude erhalten bleibt, legt die TrinkwV eine verpflichtende Untersuchung der Trinkwasserqualität für alle Betreiber einer Trinkwasseranlage fest, je nach Gebäude und Betriebsart im einjährigen oder dreijährigen Rhythmus: „Die Untersuchungshäufigkeit für die systemische Untersuchung auf Legionellen ist einmal pro Jahr bei Trinkwasserabgabe an die Öffentlichkeit (auch wenn gleichzeitig eine gewerbliche Tätigkeit vorliegt). Das Trinkwasser aus Großanlagen der  Trinkwassererwärmung, aus denen im Rahmen einer gewerblichen, nicht aber öffentlichen Tätigkeit Wasser abgegeben wird (z.B. in Mietshäusern), ist mindestens alle drei Jahre zu untersuchen.“ Wer ist nun ein „Betreiber einer Trinkwasseranlage“? Hierzu ein Zitat aus dem Stammtext der Trinkwasserverordnung (in dem sich natürlich auch noch zusätzliche Erläuterungen finden, z.B. zur Größe der betroffenen Trinkwasseranlagen):

„Von der Untersuchungspflicht auf Legionellen betroffen sind Unternehmer oder sonstige Inhaber einer Trinkwasser-Installation,

  • in der Trinkwasser im Rahmen einer öffentlichen (z.B. in Kindergärten) oder gewerblichen (z.B. bei Vermietung von Wohnungen) Tätigkeit abgegeben wird und
  • die eine Großanlage zur Trinkwassererwärmung enthält und
  • die Duschen oder andere Einrichtungen enthält, in denen es zu einer Vernebelung des Trinkwassers kommt (also nicht das Handwaschbecken in der Toilette des Restaurants).“

Nur Großanlagen unterliegen der regelmäßigen Prüfpflicht auf Legionellen

Großanlagen im Sinne der TrinkwV sind dabei Anlagen (z. B. in Wohngebäuden, Hotels, Krankenhäusern) mit Speicher-Trinkwassererwärmer oder mit zentralem Durchfluss-Trinkwassererwärmer jeweils mit einem Inhalt von mehr als 400 Litern oder einem Inhalt von mehr als 3 Litern in mindestens einer Rohrleitung zwischen Abgang des Trinkwassererwärmers und Entnahmestelle („3-Liter-Regel“, vgl. auch DVGW-Arbeitsblatt W 551; nach üblicher Trinkwasserinstallation entspricht dies ca. 8-9 m Rohrleitungslänge).

Dabei ist der Inhalt einer Zirkulationsleitung nicht zu berücksichtigen. Entsprechende Anlagen in Ein- und Zweifamilienhäusern zählen nicht zu den Großanlagen der Trinkwassererwärmung nach TrinkwV 2001 und unterliegen somit nicht der routinemäßigen Untersuchungspflicht auf Legionellen.

Aus dieser Festlegung geht hervor, dass auch bei elektrischen oder gasbetriebenen Durchlauferhitzern, die ohne einen Speicher mit stehendem Warmwasser auskommen, keine regelmäßige Untersuchung auf Legionellen durchgeführt werden muss, wenn zwischen Trinkwassererwärmer und Wasserhahn bzw. Dusche nicht mehr als drei Liter Wasser in einer Leitung stehen.

Allerdings kann es bei solchen Anlagen im Interesse der Gesundheit der Bewohner sinnvoll sein, die Trinkwasserhygiene trotzdem regelmäßig zu prüfen („Hygiene-Check„), speziell wenn sie so genutzt werden, dass in den Rohrleitungen häufig und längere Zeit  „lauwarmes Wasser“ zum Stehen kommt. Denn gerade unter diesen Bedingungen vermehren sich die warmwasser-liebenden Legionellen besonders rasant.

Trinkwasserqualität wird durch zahlreiche Vorgaben und Regularien festgelegt

Damit ist der Rahmen sehr weit gefasst: in der Vermietung aktive Besitzer von Immobilien, Kommunen und öffentliche Einrichtungen, viele Gewerbetreibende. Berücksichtigt man, dass für die Qualität des Trinkwassers nicht nur die Trinkwasserverordnung, sondern im Rahmen von Arbeitsschutz und Betriebssicherheit weitere Gesetze, Regularien und Verordnungen greifen (Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), Betriebsstättenverordnung (BetrStV), Infektionsschutzgesetz (IfSG), …), heißt das im Grunde, jeder der in seinem Gebäude Trinkwasser in irgendeiner Form zur Verfügung stellt und damit Mitarbeiter, Gäste, Kunden oder Besucher in Kontakt bringt.

Ablauf einer Trinkwasserprüfung durch ordnungsgemäße Beprobung

Wie hat man sich nun eine solche Trinkwasseruntersuchung vorzustellen? – der Ablauf lässt sich in folgende wesentlichen Schritte gliedern:

  1. Installation geeigneter und für das Gebäude und die bestehende Trinkwasserinstallation repräsentativer Probenahmeventile und -einrichtungen durch einen fachkundigen und zertifizierten SHK-Fachbetrieb,
  2. Probenahme und Legionellentest (= „orientierende Untersuchung“) durch akkreditierte und zertifizierte Probenehmer bzw. Trinkwasserlabore (zugelassen vom jeweiligen Bundesland, für Hessen sich zugelassene Trinkwasserlabore beispielsweise hier),

    Trinkwasserprüfung durch abflammbares Probenahmeventil

    abflammbares Probenahmeventil;
    Foto: Seppelfricke Armaturen GmbH

  3. Bewertung des Ergebnisses durch das untersuchende Labor und Mitteilung an den Auftraggeber bei Überschreitung des „technischen Maßnahmenwertes“ von 100 KBE / 100 ml (Ziel der Untersuchung ist somit grundsätzlich die Minimierung des Gesundheitsrisikos für alle Personen, die mit dem Trinkwasser in Kontakt kommen könnten: „Daher sollten generell möglichst niedrige Belastungen angestrebt werden. Im DVGW-Arbeitsblatt W 551 (2004) und in einer Empfehlung des Umweltbundesamtes von 2006 sind für die Trinkwasser-Installation im Wohnbereich sowohl wünschenswerte niedrige Legionellenkonzentrationen als auch Keimbereiche aufgelistet, die Maßnahmen und Sofortmaßnahmen zur Verhütung eines Infektionsrisikos bedingen. Legionellenkonzentrationen von unter 100 KBE/100 ml gelten als anzustrebender „Zielwert“. Bei Legionellenzahlen über 100 KBE/100 ml liegt eine Überschreitung des technischen Maßnahmenwertes nach TrinkwV vor, so dass der Unternehmer und der sonstige Inhaber der Trinkwasser-Installation die Verpflichtungen aus § 16 Abs. 7 TrinkwV erfüllen muss.“, Quelle: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit);
  4. Legionella auf Agarplatte im UV-Licht, bei Trinkwasserprüfung

    Foto: Wikipedia / Public Domain

    wird der technische Maßnahmenwert überschritten, ist das zuständige Gesundheitsamt durch den Anlagenbetreiber (!) zu informieren (eine Liste der Gesundheitsämter in Hessen findet sich z.B. hier, andere Bundesländer stellen ähnliche Verzeichnisse zur Verfügung),

  5. bei Überschreitung des technischen Maßnahmenwertes Erstellung einer Gefährdungsanalyse gem. § 16 Abs. 7 TrinkwV durch einen zugelassenen Fachbetrieb bzw. Gutachter (z.B. durch TEGEBA); in einem solchen Gutachten werden die möglichen Ursachen der Verkeimung in der bestehenden Trinkwasserinstallation untersucht und technische Möglichkeiten aufgezeigt, um den hygienischen Zustand der Trinkwasserinstallation wiederherzustellen,
  6. Auswahl geeigneter Fachfirmen zur Durchführung der Umbau- bzw. Desinfektionsmöglichkeiten (z.B. per Ausschreibung) und Beauftragung durch den Betreiber der Trinkwasseranlage,
  7. Überprüfung der durchgeführten Umbaumaßnahmen durch einen unabhängigen Gutachter (hier kann ebenfalls TEGEBA für Sie tätig werden, z.B. in Form eines Sanierungs-Checks),
  8. Wiederholte Prüfung der Trinkwasserqualität nach 3 Monaten (= „weitergehende Untersuchung“, in Abstimmung mit dem zuständigen Gesundheitsamt)

Trinkwasserprüfung ist zu wiederholen, bis Hygiene wiederhergestellt ist

Euromünzen und Scheine

Foto: Wikipedia.org / CC 3.0

Im ungünstigsten Fall müssen die Schritte 2-6 erneut durchlaufen werden, bis ein zufriedenstellender hygienischer Zustand der Trinkwasseranlage wiederhergestellt ist.

Hierbei sind die Kosten der Untersuchung auf die laufenden Betriebskosten für Mieter umlegbar, nicht aber die ggf. anfallenden Kosten für erforderliche Umbauten der Trinkwasseranlage.

Für alle diese Schritte finden Sie im Web zahlreiche kompetente Partner, die Sie in der Trinkwasserprüfung unterstützen (s. z.B. hier). Gerne beraten wir Sie fachmännisch bei Ihrer Suche.

Eine Video-Zusammenfassung des Themenbereichs „Trinkwasserbeprobung in Gewerbe, Immobilie und Wohnung“ sowie die rechtlichen Hintergründe dazu finden Sie übrigens auch hier:

Trinkwasser, Legionellen-Untersuchung, Kosten u. Umsetzung der Trinkwasserverordnung, von: Vermietershop.de

Trinkwasser, Legionellen-Untersuchung, Kosten u. Umsetzung der Trinkwasserverordnung, Video-Link: YouTube / Vermietershop.de

 

Wenn Sie die Grundregeln beim hygienischen Umgang mit Trinkwasser beachten und den Regeln und Vorgaben der Trinkwasserverordnung folgen, können Sie schließlich auch ein drohendes Duschverbot in Ihrer Wohnimmobilie vermeiden, das durch das zuständige Gesundheitsamt gar nicht so selten ausgesprochen wird:

LEGIONELLEN im Donaucenter Neu-Ulm: Duschen verboten! - Augsburger Allgemeine

LEGIONELLEN im Donaucenter Neu-Ulm: Duschen verboten!,
Video: YouTube / Augsburger Allgemeine

Aktualisierung 13.01.2018:

Mit Wirkung vom 03.01.2018 trat inzwischen die 4. Novelle der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) in Kraft; der aktualisierte Volltext der TrinkwV kann über die das nichtamtliche Verzeichnis „Gesetze im Internet“ heruntergelanden werden. Die wichtigsten Änderung sind in einem Blogbeitrag unter „LebensraumWasser“ zusammengefasst.

Wenn Sie sich einen fundierten Überblick über das Thema „Trinkwasserqualität und Trinkwasserprüfung“ verschaffen wollen, um Ihre Gäste, Kunden, Besucher, Mitarbeiter und vor allem Mieter künftig hier keiner Gesundheitsgefährdung mehr auszusetzen, nutzen Sie unsere Sach- und Fachkompetenz als Technische Beratung in allen Bereichen der Trinkwasserhygiene. Als Kompetenznetzwerk mit einem breiten Erfahrungsschatz bieten wir Ihnen praktikable, sinnvolle und bezahlbare Lösungen für Ihre Fragen und Unsicherheiten im Umgang mit unserem wichtigsten Lebensmittel „Trinkwasser“. Gerne beraten wir Sie in einem ersten Gespräch kostenfrei und unverbindlich; nutzen Sie für Ihre Anfrage das Kontaktformular dieser Web-Site für Ihre Anfrage.

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Blog-Beiträge Dr. Matthias Brück

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Kommentare
  1. Siegfried Gendries Januar 14th, 2018 7:44PM

    Danke für den aufschlussreichen Beitrag. Kleiner Hinweis zu den rechtlichen Folgen eines Verstosses gegen die Trinkwasser-Verordnung: Bei schuldhaften Verstößen gegen die in der Trinkwasserverordnung festgelegten Pflichten drohen dem Vermieter ordnungsrechtliche Bußgelder bzw. Strafverfahren. Der Vermieter hat daneben in einem Schadenfall möglicherweise Schadenersatz und unter Umständen Schmerzensgeld zu zahlen, wenn er seine Verkehrssicherungspflichten nicht beachtet und sich hieraus Schadenfälle, also zum Beispiel Erkrankungen in Folge des Verzehrs von Trinkwasser, entwickeln. Eine fahrlässige Körperverletzung ist strafbewährt und wird mit Geld- oder Freiheitsstrafen geahndet.

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