22 Mrz 2016

Weltwassertag 2016 – Dezentrale Wasseraufbereitung als Antwort auf den Klimawandel?

Besonders in dünn besiedelten Regionen im Osten Deutschlands, die von den künftig erwarteten Dürreperioden betroffen sein werden, kann die dezentrale Wasseraufbereitung ein wichtiger Beitrag zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung sein – wenn die aktuellen rechtlichen Hürden beseitigt werden …

22 Mrz 2016

In vielen anderen Ländern der Erde unvorstellbar, kann in Deutschland das Wasser überall bedenkenlos aus dem Wasserhahn getrunken werden. Trinken sollte man bekanntlich mindestens zwei Liter Wasser täglich.

Wasserhahn

Foto: public domain

Durchschnittlich weitere 120 Liter Wasser verbraucht jeder Deutsche am Tag – zum Kochen, Waschen und Spülen und im Badezimmer. In Rekordsommern wie beispielsweise 2015 steigt die Wassernutzung pro Kopf nochmals enorm an – so sehr, dass im letzten Jahr sogar einige Wasserversorger zum Wassersparen aufgerufen haben. Im eigentlich wasserreichen Deutschland bisher undenkbar. Auf ähnliche Szenarien müssen wir uns in Zeiten des Klimawandels aber wohl einrichten – die nächsten Sommer werden im Mittel wahrscheinlich nicht mehr kühler werden.

Die Folgen des Klimawandels für die Wasserversorgung

Deutsches Leitungswasser ist in der Regel Grund- und Quellwasser, ein geringerer Prozentsatz kommt als Oberflächenwasser aus Seen, Flüssen und Talsperren. Die Wettermodelle sagen zwar voraus, dass die jährliche Niederschlagsmenge in Deutschland in Zukunft nicht abnehmen wird, die Niederschläge werden sich aber zunehmend in die Wintermonate verlagern.

folsom lake drought 1987

Foto: public domain

Die Folge werden häufige und extreme Dürreperioden sowie verringerte Wasserstände in Seen und Flüssen in den Sommermonaten sein. Dürreperioden wie im Hitzesommer 2003, dessen Schäden für die europäische Wirtschaft auf mindestens 8,7 Milliarden Euro geschätzt werden, werden kein Einzelfall bleiben und auch nicht auf den Süden Europas beschränkt sein. Besonders hart wird es den Südwesten Deutschlands sowie zentrale Teile Ostdeutschlands treffen – hier ist im Sommer mit einer erheblichen Abnahme der Regenwassermengen und erhöhter Verdunstung zu rechnen. Die Folgen für das Grundwasser und damit für die Trinkwasserversorgung sind evident.

Vorschläge des Umweltbundesamtes zur Wasseraufbereitung

UBA-Studie Trinkwasser und Klimawandelcover_climate_change_07_2016

Foto: Umweltbundesamt

Das Umweltbundesamt hat jüngst einen 462 Seiten starken Leitfaden herausgegeben, der den rechtlichen Handlungsbedarf für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels skizziert. Darin werden auch die Konsequenzen für die deutsche Wasserversorgung umrissen und Lösungsvorschläge gemacht.

Da Verunreinigungen im Trinkwassernetz rasch sehr viele Menschen erreichen und schädigen könnten, sind die Anforderungen an die Qualität des Trinkwassers sehr hoch und auch in abzusehenden Dürreperioden von oberster Priorität. Vor allem Krankheitserreger und schädliche Stoffe dürfen unter keinen Umständen ins Trinkwasser gelangen. Um ganz sicher zu gehen, werden daher nicht nur Fremdstoffe, deren Gefährlichkeit bereits bekannt ist, vom Wasser ferngehalten, sondern auch Stoffe, deren Gesundheitsbelastung noch gar nicht gesichert ist. Hier spielen Vorsorge und Wasseranalysen, wie sie etwa mit der Hilfe von Elementar Analysensysteme durchgeführt werden können, eine wichtige Rolle. Im gesamten Prozess von der Gewinnung bis zur Verteilung in die Haushalte wird die Ressource durch Barrieren geschützt. Wenn Wasseranalysen für das Grundwasser geringes Überschreiten der Grenzwerte ergeben, wird in der Regel mit unbelastetem Wasser „verdünnt“, damit die Wasserqualität erhalten bleibt.

Elementar-Vario TOC 3

Elementar-Vario TOC 3,
Foto: Elementar Analysensysteme GmbH

In Zeiten der Wasserknappheit wird aber auch die Trinkwasseraufbereitung eine noch wichtigere Rolle spielen als ohnehin schon. So ist die „Fortentwicklung und Anwendung von fortschrittlichen Methoden der Wasseraufbereitung und Wiederverwertung“ eine der Forderungen, die im Leitfaden des Bundesamtes aufgestellt werden. Besondere Beachtung findet hier die Einführung von dezentralen Wasseraufbereitungsanlagen. Bisher werden Abwässer hauptsächlich zentral aufbereitet – dafür müssen sie teils sehr lange Strecken bis zu den öffentlichen Kläranlagen zurücklegen. Das hat nicht nur einen hohen Kosten- und Energieaufwand zur Folge, in Systemen mit Schwemmwasserkanalisation wird darüber hinaus sehr viel Wasser verbraucht um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Dezentrale Wasseraufbereitung sollte erleichtert werden

Zum Glück sind mittlerweile zahlreiche vielversprechende Alternativen entwickelt worden. Diese können eine effektive dezentrale Wasseraufbereitung ermöglichen. Der Autor des Leitfadens empfiehlt eine vermehrte Förderung und Zulassung solcher Systeme, um den Herausforderungen des Klimawandels eine zeitgemäße Lösung entgegensetzen zu können. Besonders in den dünn besiedelten Regionen im Osten Deutschlands, die gleichzeitig von den erwarteten Dürren betroffen sein werden, sprengen die Kosten der zentralen Abwasserentsorgung schon jetzt jeden Rahmen.

Trinkwasser

Foto: public domain

Die Abwasserverbände sind bereits dazu übergegangen, die Abwässer zu verrieseln, statt sie ordnungsgemäß zentral zu klären. Hier wäre eine dezentralisierte Wasseraufbereitung wohl schon jetzt der Königsweg – dieser Maßnahme steht jedoch geltendes Recht teilweise noch im Wege.

In einigen Bundesländern wie beispielsweise Niedersachsen sind spezielle Ermächtigungen, die das Einrichten kleiner, dezentraler Wasseraufbereitungsanlagen gestatten, bereits erlassen worden. Durch diese kann die Entsorgungsverantwortung von der Kommune zurück auf den privaten Abwassererzeuger verlagert werden. Entsprechende Regelungen gibt es bereits für die Entsorgung von Abfällen. Der Leitfaden empfiehlt nun, ähnliches auch im Wasserrecht des Bundes zu verankern, verbunden mit einem verbindlichen integrierten Abwasserbeseitigungsplan. Er empfiehlt außerdem, den Anschlusszwang zum kommunalen Abwassernetz zu lockern. Ein erleichterter Zugang von privaten Haushalten zu ökologisch und wirtschaftlich vorteilhaften dezentralen Lösungen würde es erlauben, die Abwasserentsorgung und Aufbereitung flexibel an die demografischen und klimatischen Gegebenheiten anzupassen.

“Water and Jobs” am Weltwassertag der Unesco

Weltwassertag 2016

Foto: UNESCO / world water day 2016

In einer Studie aus dem Jahr 2007 hat das Umweltbundesamt bereits den „Zukunftsmarkt“ der dezentralen Wasseraufbereitung untersuchen lassen. Hier wird der Membrantechnologie eine Schlüsselrolle in der Aufbereitung von Abwässern zugesprochen. Die deutschen Entwickler kleiner Wasseraufbereitungsanlagen müssen sich jedoch sowohl mit einer starken Konkurrenz aus den Nachbarländern herumschlagen, als auch mit allerlei Hürden durch die momentan vorherrschende Struktur der Abwasserentsorgung, wie sie oben beschrieben ist. Auch in diesem Papier wurde eine Förderung dezentraler Technologien empfohlen – denn das wäre nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll.

Man darf also gespannt sein, welche Bedeutung diese immer relevanter werdende Technologie am 22. März haben wird. Am diesjährigen Weltwassertag wird die UN wieder ihren Report zum globalen Wasserverbrauch vorlegen. 2016 wird das Schwerpunktthema des Berichtes „Water and Jobs“ lauten – also die Wechselwirkung von Wassernutzung, Wasserverbrauch und Arbeitsplätzen.

(Gastbeitrag von Elementar Analysensysteme GmbH, Hanau,
Autor: Fabienne Texier)

Besuchen Sie auch die Web-Site unseres Partners Elementar Analysensysteme GmbH, Hanau. Die Geräte des Herstellers decken ein weites Spektrum in der Elementaranalyse der wichtigsten nichtmetallischen Elemente ab und leisten damit einen wesentlichen Beitrag für eine aussagefähige chemische Produkt- und Umweltanalytik.

Wenn Sie weitere Fragen zum Thema Trinkwasserversorung und Trinkwasserhygiene haben, nutzen Sie unsere Sach- und Fachkompetenz als Technische Beratung in allen Bereichen der Hygiene und Gesundheit in unserer Umwelt. Als Kompetenznetzwerk mit einem breiten Erfahrungsschatz bieten wir Ihnen praxisnahe Hilfestellungen und sinnvolle und bezahlbare Lösungen zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der Trinkwasserhygiene in Ihrer Trinkwasserinstallation. Gerne beraten wir Sie in einem ersten Gespräch kostenfrei und unverbindlich; nutzen Sie für Ihre Anfrage das Kontaktformular der Web-Site!

Übrigens: zum Weltwassertag 2016 gibt es wieder eine Reihe von Veranstaltungen, z.B. Ihrer regionalen Wasserversorger, des Umweltbundesamtes und zahlreicher weiterer Organisationen, die sich mit dem Thema „Wasserversorung der Zukunft“ aktiv auseinandersetzen. Einen kleinen Überblick über die Vielfalt der Veranstaltungen finden Sie hier.

Aktualisierung vom 26.03.2016:

Auch der WWF warnt eindringlich vor dem drohenden weltweiten Wassermangel. Nach Schätzungen des WWF verfügen heute 780 Millionen Menschen noch nicht über einen sicheren und dauerhaften Zugang zu sauberem Wasser, und bis zum Jahr 2050 wird sich diese Situation noch erheblich verschlimmern. Die sich daraus entwickelnden sozialen und politischen Unruhen zu beherrschen und unter Kontrolle zu halten, wird eine große Herausforderung für die Gesellschaften und bestehenden politischen Systeme werden.

Der WWF weist darauf hin, dass jeder Verbraucher es durch sein eigenes Verhalten selbst in der Hand hat, den Wasserverbrauch zu reduzieren, denn Wasser wird nicht nur direkt verbraucht (Duschen, Waschen, Geschirrspülen, Toilettenspülung), sondern beispielsweise auch bei der Herstellung unserer Nahrungsmittel werden große Mengen an Wasser verbraucht. Einige mögliche Maßnahmen zur Reduzierung des Wasserverbrauchs sind daher: regionalen und saisonalen Produkten den Vorzug geben, weniger Fleisch essen (Rind- und Schweinefleischerzeugung sind „Großverbraucher“), in Urlaub und in der Freizeit bewusst auf den Wasserverbrauch achten, Leitungswasser statt Flaschenwasser trinken (unsere Trinkwasserqualität in Deutschland ist gut – und trinkbares Leitungswasser braucht 1.000 mal weniger Energie und Rohstoffe als in Flaschen abgefülltes Wasser!; und wer doch partout kein Leitungswasser trinken möchte, kann immerhin auf Flaschenwasser aus regionaler Produktion und in Mehrwegflaschen „umsteigen“).

Aktualisierung vom 29.06.2016:

Die Elementar Anlysensysteme GmbH in Hanau, verantwortlich für den Inhalt dieses Gastbeitrages, wurde Ende Juni 2016 zum 6. Mal in Folge unter den TOP 100 innovativsten Unternehmen des deutschen Mittelstands ausgezeichnet. Der Mentor des Innovationswettbewerbs, Ranga Yogeshwar, ehrte den Top-Innovator im Rahmen des Deutschen Mittelstands-Summits am 24. Juni in Essen. Dies zeigt einmal mehr das hohe unternehmerische Engagement und das Innovationspotential des international agierenden Familienunternehmens aus Hanau, das am Standort in Hessen Analysegeräte für die Bestimmung von Elementen in organischen und anorganischen Substanzen entwickelt, produziert und vertreibt. Weltweit setzen Kunden aus Forschung und Industrie die Lösungen in der Umweltkontrolle, in der Landwirtschaft und in der Materialwissenschaft ein.

Aktualisierung 16.03.2018

Auch im Jahr 2018 gibt es am 22. März wieder einen Weltwassertag – das Motto in diesem Jahr lautet: Nature for Water

Mehr dazu und auch über die Themen-Fokussierung der vergangenen Weltwassertage auf der Web-Site des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Nukleare Sicherheit (BMUB)

Gefallen Ihnen die Themen dieser Web-Site und meine Blog-Beiträge?
Dann teilen Sie sie gerne in Ihrem Netzwerk per Facebook, Twitter oder Google+.
Um keinen Beitrag zu verpassen, können Sie die News hier abonnieren:
Blog-Beiträge Dr. Matthias Brück

Kommentar hinterlassen
Weitere Beiträge
Kommentare
Kommentar

Kommentar verfassen

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.
blogwolke.de - Das Blog-Verzeichnis
%d Bloggern gefällt das:

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu, Diese sind für den Betrieb dieser Seite notwendig. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen